Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
63
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auszupacken, um sich anders anzukleiden, als er auf der Reise gewesenwar; denn heute, dachte er, wird der Oheim zu ihm sprechen, und wirdihm erklären, warum er ihn zu sich auf diese vereinsamte Insel habekommen lassen. Er legte reine Wäsche heraus, er bürstete den Staub vondem zweiten Anzuge, den er außer dem Reisckleidc noch mit sich führte,er benützte reichlich das spicgclklare in dem zinncnen Kruge vorhandeneWasser, um den Reisestanb von sich zu waschen, und zog sich dann sozusammen stimmend und paffend an, wie er cs in dem übcrreinlichcnHause seiner Ziehmutter gelernt hatte. Selbst den Spitz, der ein so un-willkommener Gast in diesem Hanse war, hatte er vorher noch gekämmtund gebürstet. Dann legte er ihm wieder das Halsband um, und knüpfteseine Schnur an den Ring desselben. Als sie beide ganz und gar fertigwaren, schloß er seine Thüre auf, und wollte in das Zimmer gehen, wosic gestern Abends gegessen hatten, um den Oheim zu suchen. Als er aberauf dem Gange war, fiel ihm ein, daß er heute zum ersten Male seinMorgengebet vergessen habe. Es mußte in der Wirkung der großen niegekannten Eindrücke des heutigen Morgens geschehen sein. Er ging da-her noch einmal in das Zimmer zurück, stellte sich wieder an das Fenster,und sagte die einfachen Worte, die er sich einst heimlich und ohne daßJemand etwas davon wußte, zu diesem Zwecke zusammen gedacht hatte.Dann trat er zum zweiten Male den Weg zu dem Oheime an.

Das eiserne Gitter am Gang« war nicht mehr versperrt, er tratdurch dasselbe hindurch und fand leicht den Gang, aus welchem er ge-stern in das Speisezimmer war geführt worden aber der Gang hattegar keine Thür, die in ein Gemach hätte leiten können, sondern cs stan-den in demselben lauter alte Kästen, die er schon gestern beim Schlafen-gehen im Kerzenscheine gesehen hatte. Die Gangfenstcr waren von untengegen oben mit Bretter» verschlagen, nur eine kleine Oeffnung war obenfrei, daß durch das Glas das Licht herein fallen konnte, gleichsam alsscheute man die Freiheit und Klarheit des Lichtes und liebte die Finster-niß in diesen Gängen. Da Victor so suchte, trat aus einem der Kästendie alte Frau heraus, die gestern zum Abendessen die Speisen gebrachthatte. Sie trug Taffen und Schalen, und ging wieder in einen solchenKasten hinein. Da Victor an dem, wo sie heraus gekommen war, näherschaute, entdeckte er, daß derselbe ein verlarvtes Thürfutter sei, und zurHinterwand die Thür habe, durch die er gestern zu dem Oheime hinein