Druckschrift 
3 (1855)
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58

Essen gesessen war, war ein dichter Teppich gebreitet, und auf dem Tep-piche lagen drei alte fette Hunde, denen der Greis von Zeit zu Zeit baldeine Krebsschecre, bald eine Mandel, bald ein Stückchen Zuckerwerk hinabgereicht hatte. Schon als Victor mit dem Spitz cingetrcten war, hattenalle drei geknurrt, und während dem Essen, wenn er dem armen Spitz einStückchen hinab reichte, grinsten sie wieder und ließen ein schwaches Mur-ren Horen.

So lange der Oheim bei seinem Nachtmahle beschäftigt gewesen war,hatte er zu Victor nicht gesprochen, gleichsam, als wäre zu keinem andernDinge Zeit; jetzt aber sagte er:Hast Du das Gerippe doch wieder mitgeschleppt. Wer ein Thier hat, muß es auch ernähren können. Ich habeDir den Rath gegeben, daß Du es in den See würfest, aber Du hastihn nicht befolgt. Die Hunde der Studenten habe ich nie leiden können;sie sind, wie traurige Gespenster. Und gerade dieses Volk will immerHunde haben. Wo hast Du ihn denn mit genommen, und brachtest ihnzu mir, ohne ihm unter Weges etwas zu fressen zu gebe»?"

Es ist der Hund meiner Ziehmutter, Oheim," sagte Victor,ichhabe ihn nirgends mit genommen, weder gekauft noch crtauscht; sondernam dritten Tage nach meiner Abreise ist er mir nach gekommen. Er mußstark gerannt sein, was er in seinem frübercn Leben nicht gewohnt war;er muß auch große Angst ausgcstandcn haben, wozu er ebenfalls bei derZiehmutter nie Ursache gehabt hatte und deshalb ist er in den darauffolgenden Tagen so mager geworden, wie er nie gewesen ist, obwohl ichihm gegeben habe, was er nur immer verlangte. Erlaubt daher, daß ichihn in eurem Hause bei mir behalte, damit ich ihn der Ziehmutter wiederübergeben kann, sonst müßte ich sogleich zurück reisen und ihn ihr über-bringcn."

Und da hast Du ihn immer so Tag und Nacht bei Dir gehabt?"

Freilich." '

Daß er Dir einmal die Kehle abfrißt."

Das thnt er ja nie. Wie fiele ihm denn das ein? Er ist bei mei-nen Füßen gelegen, wenn ich rastete oder schlief, er hat sein Haupt aufdieselben gelegt, und er würde eher erhungern, ehe er mich verließe odermir ein Leid thäte."

So gib ihm zu essen, und denke auf das Wasser, daß er nicht-thend wird."