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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
351
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eignen Wirkens; aber die andre Hälfte seines Wissens fehlt,nämlich das Bewusstsein der Innern Beschaffenheit nndEigcn-thnmlichkcit, durch welche erwirkt. Schon diese Wahrnehmungfuhrt ihn mit Nothwcndigkeit zu der Gewißheit, daß weder derGeist für sich, noch die Gcistheit des gesammtcn Menschen-geschlechts, noch die mit ihr cngvcrcintc, sich nnbcwnßte Naturdes sich durch die Sinne verkündenden Alls, Gott sei; daß nochein höheres Andre auch außerhalb unscrm Bewußtsein wesen müsse,in welchem, wenn man so sagen dürfte, jene erhabnere Hälftejenes Wissens wohnt, die uns fehlt: Gott, ans dessen Licht dasGeistcrthum hcrvorstrahlt, ohne mehr, denn Ausstrahlung zu sein,nicht das Licht in seiner Urheit selbst. Vielleicht klingtdiese Sprache mystisch; aber eben das Nnwissbarc, über Welt,über Natur, über alle Vcrnunftmacht des Geistes Schwebende istdas größte und anbetungswürdigste Mysterium, zu dem wir nur,wie ich hier, in mangelhafter Bilderschrift hinansdentcn können.

Es sei fern von mir, die religiösen Vorstellungen der ver-schleimen Kirchen- und Glaubcnsparteicn unter den Völkern, oderdie der Philosophen von den ältesten Zeiten, bis Spinoza,Schclling, Hegel n. a. m. von Gott, und seiner Persönlichkeitund Nichtpersönlichkeit, bestreiten und widerlegen zu wollen, wassie ja ohnehin schon gegenseitig selber zur Genüge thun. Ich ehre,in ihnen allen, mehr oder mnidcr edle Geistcsblütcn, die in man-nigfaltiger Verschiedenheit doch immer das Eine und Selbe kün-den: Dasein einer allwcscndcn Gottheit. Nicht das Mangelhafte,selbst nicht das Unwürdige in menschlichen Vorstellungen von Gottund göttlichen Dingen ist das Tadelnswürdige: sondern allein derstolze Dünkel dabei, und die hässigc Leidenschaftlichkeit der Sterb-lichen ist's, welche sich ausschließlich, als Inhaber des vollendet-sten, besten Wissens, geltend machen wollen, und was ihren er-lernten, oder sclbstgcfundncn Ansichten widerspricht, verhöhnen.