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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
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I Kenntnis und Erkenntnis

1. Durch Zweifel zum Erforsche» de» Wahre».

Die holdeste der Feen unterm Himmel ist die Täuschung,diese reizende Mutter des Glaubens und der Hoffnung. Wehe demaber, der im Zaubergarten derselben vom Baum der Erkenntnißeine Gewißheit naschen will! Er hat lebenslang das verlorneParadies zu beweinen." So seufzt' ich einst, von Zweifeln inmeinem Innersten zerrissen, als Jüngling; so noch, als reifenderMann. Und ich habe im Lauf des Lebens diesen Seufzer im Stil-len aus der Brust manches Andern vernommen. Ich beklage dieHcimlichkranken, wie ich einst mich selbst beklagt habe. Spätsind meine Wunden geheilt worden; vielleicht sind die von Andernnicht unheilbarer. Ich will versuchen, den Gang meiner Genesungzu zeichnen; vielleicht wird er zum ihrigen. Zuvor will ich abermeine Narben anfdecken. Will anssprechcn, wie mir einst Lebenund Welt, Gott und Ewigkeit erschienen*). Ich dachte und sprach:

Weitaus der Großtheil der Sterblichen handelt und wandeltnoch willig und gläubig im schönen Traumrcich. Man lebt sich,vom ersten Schlummer an der mütterlichen Brust hinweg, durchdie Spiele der Kindheit, so allmälig, leise und tief ins reifereAlter hinein, daß man kaum einmal an den Gedanken stößt: Warum

*) DaS im ersten nnd zweiten Abschnitt Folgende gab ich, als Bruchstück,schon 1832 in der ZeitschriftPrometheus, für k;cht und Recht."Hier theil' ich nur Auszug vom Wesentlichen dessen mit, was dort inBriefform eingekleidet war.

Zsch. Selbstschau, II. l