Druckschrift 
2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
325
Einzelbild herunterladen
 

Welt ihr Gott, oder auch der blinde Zufall, welcher, nach viel-tausendjährigen Bewegungen und Mischungen der Stoffe, dieseunabsichtlich in solche Verbindung gerathcn ließ, daß sie darin aufimmer bcharrtcn. Diese kindlich-rohe Vorstellung von einerGott-Welt (des Materialismus) sagte liefern Denkern nicht zu.Sic unterschieden das in de» endlichen Dingen der Welt von dem,sie aus sich. Bewirkenden; die Erscheinungen vom dahinter walten-den Wesen; die Welt, von der sie gebärenden Natur, Sic er-hoben diese sich Unbewußte zur Schöpferin des wissenden Geistes;die starre Nvthwcndigkeit zur Ursach der Gcistessrciheit; zurGebcrin eines Gesetzes, welches mit ihrem Wirken nichts gemeinhat, und unter ihren gestimmten Erscheinungen unerfüllbar steht.Sie machten die Natur zum Gott, der erst im Geiste ein Ge-wußtes werden kann, und doch nur ein mangelhaft Erkanntes;der sich in seinen Erscheinungen mit unendlicher Weisheit äußert,ohne davon zu wissen und ohne vom Mcnschengeist ergründet zuwerden; zu einem Gott, der zugleich Vollkommenheit und Unvoll-kommenheit ist. Diese Lehre (des Naturalismus), wie viel dessich Widerstreitenden sie auch darbieten möge, ist, wie schon ge-sagt, höchste Erkcnntnißstufe eines sclbstdcnkendcn Heidcnthums,Um die Widersprüche solcher Ansicht anfzulöscn, ist es nur nochein Schritt zum Glauben an einen einzigen, über Welt, Naturund Gcistcrthnm erhabnen, allwaltcnden Gott (zum Deismus),Ohne die in der Wesensnvthwendigkeit nusers Geistes schon,vor allem Denken, vorhandene Urgewißheit eines Urwesens,der auch die ganze Natur entspricht, würde das Menschengeschlechtnie einen Gott im Weltall gesucht haben. Das Urgewiffe (6,)aber versteht sich von selbst; kann nicht gedanklich bewiesen wer-den; bedarf keines Beweises, als sich selbst, und ist die Grund-lage, ans welcher der Verstand erst alle andern baut Wir ken-nen Gott aus unmittelbarer Erfahrung des Geistes (12,), und