IIS. Ahnungen der Gcisteszuknnft.
Es keimen die Ahnungen von jenseits aus dem Innern desGeistes hervor, der sich bewußt wird, daß all sein Wissen be-schränkt, daß seine höchste Weisheit ein Nichts wird vor der Weis-heit, welche ihm aus den Wundern des Weltgebäu's und der Ver-hängnisse entgegenstrahlt; daß zwischen ihm und dem Urheber deserscheinenden Alls ein unendlicher, ein größerer Zwischenraum seinmüsse, als zwischen dem kleinsten Gas-Atom und dem eignen ge-hcimnlßvollen Ich; daß eine weite Anfstusnng der Wesen, wie inder Natur zum Geiste, noch von ihm zu Gott vorhanden seinmüsse. Der Ruf dieser Ahnungen hallt uns aus sämmtlichcn Jahr-tausenden und Religionen auch der nur halberwachtcn Volker ent-gegen; wie vom Ganges und Nil der menschlichen Urzeiten, soheut noch aus Wildnissen an den Quellen des großen Maranon.So kindlich auch diese Religionen vom „Leben nach dem Tode", von„Engeln und Teufeln",'vom „dritten, vierten und siebenten Him-mel" stammeln: in diesem Stammeln verkündet sich eine unwill-kürlich im Menschengeist gewordue Offenbarung. - Der Zweifler,inmitten seiner trostlosesten Verdüsterung, kann sich ihrer nichtganz erwehren; und der leichtfertigste Wüstling vernimmt von Zeitzu Zeit ungern ihre Stimme, inmitten seines Sinnenrausches.
Und wenn auch der einsichtreichere Mensch jene bildlichen Vor-stellungen belächelt, tritt doch die Ahnung, welche sich in ihnenvon einem stnfenwelsen Uebergang der Wesen zum vollkommnernausspricht, aus der Kunde der Naturgesetze, der Geistcsgesctze,aus den eignen Folgerungen und Schlüssen vom Gekannten aufUngckanntcs entgegen, wo das Gleichartige und Ebenmäßige imGang der Naturerscheinungen und Geisteserschcinungen überallherrscht und selten irre leitet. Nirgends Stillstand im weitenReich des Wesenden und Seienden, überall Bewegung und Fort-