Druckschrift 
2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
242
Einzelbild herunterladen
 

242

genossen sein; von ihnen nicht zertreten werden: wird gezwnngen,sich ihnen klüglich glcichzustcllen. Auf keiner Stufe der Kultur istein Volk von der Einfalt naturgemäßer Lebensweise weiter abge-wichcn, daher elender, in sich zerrissener, als auf der Stufe seinerZivilisation. Einst war nur in großen, einzelnen Städten desWcltthcils, der Pfühl dcs Lnrus, der glänzenden Laster, der man-nigfaltigsten Krankheiten und Sclbstbetäubnngsmittcl vorhanden;der Pfuhl ist übcrgetreten und überschwemmt schon Flecken undDörfer.

Häusliche und öffentliche Erziehung deuten und leiten die Ju-gend, so früh, als möglich, auf den für Halbbarbaren wün-schenswerthesten, höchsten Lebenszweck hin: reiches Vermögen, fürreichern Genuß, zu erstreben. Dafür werden Schulen gestiftet,um Kenntnisse, Fertigkeiten auszubilden; um auf allen BahnenGlück zu machen; zu Land und Meer, in Werkstätten und Gcrichts-sälcn, auf Kathedern und Kanzeln, mit Feder oder Schwert. Da-für werden der Jugend, durch Lehre und Beispiel, falsche Begriffein Fülle cingcimpft; Ehre wird mehr, als Tugend gewcrthet;Lebensart mehr, als Leben; Vorrecht mehr, als Recht; Titelmehr, als Verdienst; der begüterte Bösewicht mehr, als der un-bemittelte Biedermann. Wo Gelderwerb allgemeine Losung ist,und alle Gaben und Kräfte des Geistes nur dem Behagen einerselbstsüchtigen Thjernatur geweiht sind: ist mit der Verartnng derMenschheit, auch das Gefolge aller Qualen der Eifersucht mil-des Neides, der Verläumdung und Heuchelei, jedes Lasters undVerbrechens des Neichthnms und der Armuth natnrnothwcndig.Das Leben verstreicht unter so viel Kämpfen und Sorgen undArbeiten für das Leben, daß für höhere Interessen, für Ewig-wahres, Ewiggutcs, Ewigbeseligendes keine Zeit bleibt. Man trö-stet sich mit Nebnngcn und Verheißungen des Kirchenglaubcns,weil man nicht Muth hat, die Religion des Weltheilandes