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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
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Man sucht den Ursprung des wachsenden Mißbehagens der Völ-ker bald im ehrsüchtigen Treiben schwindelnder Halbwisser; baldim Verfall eines Kirchenglaubens, den man Religion nennt; baldin Uebervölkcrung; bald im falschen Verhältniß alterthümlicherStaatseinrichtungen zu der jetzigen Gesittungsstufe; bald in derAufklärung; bald überhaupt im zunehmenden Sittcnverderbniß derHohen und Niedern. Alle diese und andre Ströme des öffent-lichen Verderbens entspringen jedoch aus einer gemeinsamen Quelle,die nur in Ländern civilisirter Völker, d. i. ans der Stufe derHalbbarbarei stehender, gefunden wird. Es ist, neben demWissen des Bessern, neben der Erkcnntniß des Ewigwahren undEwigguten, die unselige Richtung aller Geistesthätigkeit zum Dienstdes thierischen Lebens; aller Verstandesbildung znm Behuf ma-terieller Interessen; aller Wissenschaft, Kunst und Gewerbigkeitzur Vermannigsaltigung und Verfeinerung sinnlicher Genußsucht.Der Geist der Menge, des innern Hciligthums uneingedenk, wirdder Knechtschaft der Begierden hingegeben; der Mensch zum ver-ständigen, zum schlauesten, zum kunstreichsten Thier, mit allerSelbstsucht, erzogen, die Thieren eigen ist. Diese Selbstsucht,welche nur für sich sucht, und zur Befriedigung ihres Sinnenkitzelsund Wohllebens, ihres Gcldhungers, ihrer Herrsch- und Gewalt-gier, das Wohlsein der Familien, des Vaterlandes, die höhernInteressen der Menschheit in den Staub schleudert, wühlt undscharrt in den Ordnungen des bürgerlichen Lebens, in Schulen undKirchen, in Staatsdiensten und Wohlthätigkeitsanstalten, in Kün-sten, Gewerben und Tändeleien nur nach Futter zur Sättigungihrer Gefräßigkeit. Ncberreiznng und Verwöhnung der einfachenLebenstriebe macht aus dem Unnatürlichen die andre Natur;macht entbehrliche Ucppigkeitzum unentbehrlichsten Bedürfnis. Selbstder bessere Mensch, will er Wirksamkeit in seinem Kreise bewah-ren, nicht Gegenstand des Argwohns oder Gelächters de« Lebens-Zsch. Selbstschau. II. 8*