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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
238
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dingen empfangen und erfahren, und sucht sic noch in der Wirk-lichkeit, und findet sie nicht im Gebiet des Irdischen. Er suchtdas Ewige, das Unendliche, und begegnet überall dem Vergäng-lichen und Hinfälligen. Er sucht das Wahre, und sicht sich vonJrrthümern, Zweifeln und Täuschungen umgarnt. Er sucht dasHeilige, und erblickt Verbrechen und Sünde. Er sucht Vergeltungund Gerechtigkeit, Harmonie von Tugend und Seligkeit, und sichtdie Triumphe des Lasters neben dem Dorncnkranze eines Welt-erlösers.

Dieser Widerspruch 'der Welt mit dem, was sein soll, undwonach unser Innerstes vergebens ruft, erfüllt das Gcmüth mitgöttlicher Traurigkeit". Und eben ans ihr hervor geht dieunendliche Sehnsucht nach der wahren Geisterhcimath, nach einemHähern Sein. Dahin deuten deshalb die Winke aller Religionen.Das himmlische Eden, Mahomeds Paradiese, die Walhalla desNordens, das Elysium des Südens, empfingen aus jener Sehnsuchtihr Dasein. Und aus dem Gegensatz der Mängel und Trübsalein dieser Welt, mit der Idee des vollkommensten Wesens, ihresSchöpfers, oder aus dem scheinbaren Widerspruch des Heiligkeits-und Naturgesetzes, entspannen sich jene mannigfaltigen Räthscl-lösungen des Altcrthums, wie z. B. die Hieroglyphen vom Sündcn-fall Adams; Persiens Ormuzd und Ahriman: Chaldäa's und Ju-däa's Teufel; wie Plato'S ahnungsvolle Mythen; LcibnitzcnsTheodicee und Alles, was je der Sterbliche über den Ursprungdes Ucbels in der Welt geträumt, gedichtet und gelehrt hat.

Der Geist des Bösen, welcher das Erdcnlebcn mit Jammerund Widerwärtigkeiten ansüllt, ist von jeher aber, wenn wir ihmernster nachforschen, kein andrer, als der irre, von sich selber abtrün-nige Menschengeist gewesen. Nicht Gott ist der Höllenschöpfer;der Men sch ist's Nicht die Natur und der uns aus ihr gcwordncLeib, mit seinen Trieben und Neigungen, ist die Quelle der Laster,