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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
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einer sich selbst verblendenden Weltwcisheit, sind Anfang und Ende,Keim und Gipfel des Hcidenthnms.

Das Heidcnthum beherrscht noch heutiges Tages den großenMchrtheil der Erdbewohner, wenn cs auch nicht mehr unter sei-nem alten Namen herrscht. Es ist die Religion der Unwissenheitund Kindheit des menschlichen Geistes, welche, bei allen Völkern,die Erde mit Wundern, den Himmel mit Göttern und Heiligenbevölkert; oder auch das höchste Wesen sogar mit Schwächen nndLeidenschaften bekleidet, deren sich selbst der bessere Mensch schämt.Dies Heidcnthum ist die geheime innere Religion selbst zahlloserVcrstandesgebildeten, welche, obwohl reich an Wissenschaft nndKunst, zum Behuf ihrer Erwerbs- und Genußsucht, doch über dasWisscnswürdigste unwissend bleiben. In ihrem nnabwehrbarcn Be-dürfnis; religiösen Glaubens, können sie sich nicht heimlicher, aber-gläubiger Träumereien erwehren.

Doch Glaube, oder Aberglaube, immer ist jede im Ge-müth hcrvorgegangne Ansicht von übersinnlichen Verhältnissen nndgöttlichen Dingen, die wirkliche Religion ihres Besitzers. Daserlernte Glanbcnsbckcnntniß, die Kirche, die Pagode, die Moschee,der Opfcraltar, sind nur äußere Schaale, nur Vorhang ihresverborgnen Allerhciligsten. Darum sind der Religionen so viele,als Menschen. Keiner hat die gleiche gemein mit allen Genossenseines öffentlichen erlernten Glaubens; Keiner sogar hat in jedemAlter des eignen Lebens die gleiche Religion. Er ändert sie beijedem Fortschritt seiner Erkenntnisse und Weltansichten. Andersist die innere Religion des Kindes; anders die des Jünglings;anders die des Mannes.

Je mehr die Unwissenheit ans den Tiefen der Völker ver-schwindet, je mehr nehmen bei denselben die Wunder ab. Aberdas Urbedürsniß des menschlichen Geistes, Religion, verharrt.Die kindische, bange Verwunderung vor räthselhasten Erschei-