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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
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erwachend, wird endlich der Glieder ihres Leibes, nnd ihrer äußernSinnwcrkzcnge, eins »ins andre mächtig; dann auch der inner«,erst der Aufmerksamkeit, darauf des Gedächtnisses, der Gewohn-heit nnd der Nachähmungslust. Zuletzt dämmert das Licht desGeistes in den Sinnen und Gefühlen der Seele Herder. Die reineThicrhcit hört auf, der Mensch beginnt mit den ersten Lautender Weltsprache; mit dem ersten Bcwnßtwerdcn eigner Persönlich-keit; dem ersten Bewundern des Gefälligen; dem ersten Suchennach dem Warum? und Wozu? dem ersten Gefühl des Unrechtsnnd Rechts. Das Kind ist früher dcrnünftig, als verständig; seinGcistcSgcsetz früher, als die durch Erfahrung erst crworbne Klug-heit im Urthcilen und Handeln. Der Erwachsene erblickt in denkindlichen Aeußernngcn eine Naivetät; einen Ausdruck von Natür-lichkeit, die er, als Widerspruch mit »erkünstelter Ucblichkeit, be-lächeln kann und doch, als Vernunftgemäßes, ehren muß.

Auch der Knabe bewahrt zwar Neigung und Sinn für dasNaturgemäße; aber der Geist verharrt noch lange im Dienst derherrschenden Thiernatur. Leibesstärke, Muth und Schlauheit sindihm bewundernswürdiger, als jedes andre Verdienst; Freiheit mehr,als Zwang seiner Lebensart. Er lernt nachähmcnd von Menschennnd Thicren. In lebhafterer Anerkennung des Rechts und Unrechtsverkündet sich die gesteigerte Macht des sinnlichen Gefühls.

Wenn im Jünglingsalter aber LebcnSfülle und Sceleu-rcichthnm üppiger überströmt, und der Geist sich seines Innernnnd der Urbilder des Währen, Guten nnd Schönen in ihm Hellerbewußt wird: dann erscheint der große Augenblick, in welchem derhalbreife Zögling der Natur die Hand der bisherigen Erzieherinfahren lassen, nnd selbstständig schalten will, nnd cs doch nichtganz vermag. Der erfahrungsarme Verstand verliert sich noch imLabyrinth der Erscheinungen; verwechselt Wesen und Schein, sinn-liche und sittliche Größe: haßt das Gemeine; lechzt nach Wundern;