und treuer. Die Bilder vom Gewesenen werden klarer und leb-hafter, und regen sich da, wo sie einander in ihren Verzweigungengegensätzlich berühren, leichter zum Hcrvortreten an. Es werdenErfahrung und Kenntniß im Thiere (wenn auch ohne Erkenntniß)(7.) möglich. Der Hund kennt seinen Herrn, der Löwe seinenWärter. Die Seele ruft durch den Sinn des Gedächtnisses ge-wesene Gefühle nnd Begierden wach, und wirkt erregend, ausdiese Weise, in die Thätigkeit der Lebenstriebe zurück.
69. Unwillkürliches Erinnern. Traum.
Aber auch in den vollendetsten Gattungen des Thierreichs istdas Gedächtniß nur ein unwillkürliches Erinnern. Es wirdnicht ohne äußere Einwirkungen geschäftig, sei es, daß einer derfünf Anßcnsinne, ohne irgend einer der lautgewordenen Lebcns-tricbe Empfindungen und Begierden erzeugt, welche durch Gleich-artigkeit mit schon gehabten, Gedächtnißbilder erneuert, diesich dann mit andern verzweigen und bewegen.
Solche Bewegung der Gedächtnißbilder, wenn sie inmitten desSchlafes vor sich geht, nennen wir Träumen. Auch der Traumist Unwillkürliches; erst durch irgend eine Einwirkung des Lebens,oder der äußern Empfindung, Gewordenes. Ohne vorhergegangneBereicherung des Gedächtnisses mit dem Mancherlei der Außen-welt, ist kein Träumen möglich. Kinder in der ersten Lebenszeit,und Greise, nach erloschenen Erinnerungen, sind tranmlos. Hin-wieder ist kaum zu bezweifeln, daß Hunde, Pferde, Affen und an-dere Thiere höherer Ordnung, selbst manche Vögel, ihre Traum-welt haben. Hunde winseln und bellen, Kanarienvögel singen imSchlafe, gleich wie Menschen in ihm reden. Beim Aufgang derErinnerungsbilder werden die Träumer zu den nämlichen Begier-