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2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
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68. Gedächtnißsin».

All diese bisher bezeichnetcn innern Sinne bczichn sich abernur auf das gegenwärtig Vorhandne. Der Sinn des Ge-dächtnisses hingegen wendet sich dem nicht mehr Vorhandnen,dem Gewesenen und Vergangenen zu, in Bewahrung vom Ein-druck gehabter Empfindungen, Gefühle und Gewährungen.

Ohne Zweifel bereitet das Leben, wie für Alle äußere und in-nere Sinne, auch zur Thätigkcit des Gedächtnisses, cigenthümlicheWerkzeuge. Denn wir wissen, daß bei theilweisen Verletzungenvom Innern des Gehirns, auch das Gedächtniß ganz oder theil-wcise verloren gehen kann; daß im höher» Alter des Menschen,mit zunehmender Stiftung und Erhärtung der zarter» Nervcnglie-dcrung des Innern, auch die Wiedcrerinnerung vergangener Dingemühsamer und ungelenkiger wird. Aber nicht die verborgnen stof-fischcn Gcdächtnißorgane sind das seelische Erinnerungsvermö-gen selber, so wenig das leibliche Auge selber das Vermögen desSehens ist.

Und wie das schöpferische Leben, nach dem Wendepunkt seinesWirkens, sich wieder von den erstarrenden, verholzenden Anßen-theilcn einer Pflanze zum Innersten zurückzieht (52.), von Wan-nen es ausgcgangcn ist: so weicht mit ihm, im thierischen Leibe,auch das Seelische allmälig zurück. Wie im Baume die äußernRinde, Aeste und Zweige zuerst anssterben, während das Lebendenoch im Innern schafft: so scheinen in den Erinnerungen die letz-ten und jüngsten, mit deren Organen, zuerst einznwelken, unddie ersten und frühesten am längsten zu bleiben, denen sich erstalle spätern angeschlosscn haben. Wenn im hohen Alter des Men-schen, mit dem Absterben der Gedächtnißwerkzcnge, die Verzwei-gung der Erinnerungen, bis ans die Jngendtagc, znrückschwindet,und der Geist des Greises nur noch, von diesen wenigen Kindheits-