Druckschrift 
2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
187
Einzelbild herunterladen
 

und vergütet der tropischen Pflanze die verlorne Sonne der Hei-math, durch Wärme des Treibhauses.

Der Selbsterhaltungstrieb des Lebens wird im seelischen Ge-fühlscin zum Gcwohnheitssinn. Dem Thicre ist das Natur-gemäße auch das Lebensvcrtrante, das Bekannte, Gewohnte. DasUnvcrtrantc crrregt ihm Unsicherheit und Furcht. In freier Wild-heit zieht cs bekannte Gegenden, Wege und Lagerstätten denunbekannten vor, um nicht in steter Bcsorgniß und gespannterAufmerksamkeit zu sein. Es kann allerdings gezähmt, das heißt,durch dauernden Zwang zu Thätigkeitsweisen abgcrichtet werden,die mit seinen naturgemäßen Zuständen nichts gemein haben. Dochist dies bei solchen Thiercn unmöglich, denen die Gabe einesHähern Anfmerksamkeitssinns fehlt; und wird nur bei denen leich-ter, die noch jung, für die Richtung ihrer Triebe, Anlagen undKräfte, keine andern, und frciern Schranken kennen, als die ihnendurch Kunstzwang gegebnen. Sic wachsen und vollenden sich in-mitten des beengter» Spielraums; und inner demselben steht ihnender ausgedehntere, freiere, fremdartig, der den Geschöpfen ihrerGattung auf Erden angewiesen ist. So wird Gewohnheit, wieman sagt, endlich die andre Natur; gleichwie Natur die Ur-gewohnheit der Wirkenswcisc ist.

Der Mensch steht auch hier dem Thicre ähnlich. Er wird, imZwange ihn umringender gesellschaftlicher Verhältnisse, für derenDienst künstlich abgerichtet; Wilder unter Wilden; Barbar unterBarbaren; Christ unter Christen; Muhamedancr unter Muhamc-danern. Er scheut dann Neuerungen. Auch wenn er im Angc-wöhnten das Schlechtere, im Neuen das Bessere, erkennen sollte,wird er im Herkömmlichen und lieblichen sich mit leichterer Fertig-keit bewegen und mit dem Gefühl größerer Sicherheit wan-deln. Unwissende, bildungsarme Völkerschaften hangen starrsinnigam Alten fest. Die Menschheit bleibt dem Thicrthnm ähnlich,