Druckschrift 
2 (1853) Welt- und Gottanschauung
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

mit gleicher Unwillkürlichkcit, von den sichtbaren Wirkungen ansdie unsichtbare Nrsach über. Er nannte das, was die Stoffe be-wegt, Kraft; was die Pflanzen mitBlüthen und Früchten schmückt,sic zur Sclbstcrnährung, znm Wachsthum und zur Fortzeugnnggliedert, Leben; was die Thiere fähig macht znm Sehen undHören, oder was sic fähig macht, Freude und Schmerz, Liebeund Haß zu fühlen und im Gesang oder wilden Geschrei zu ver-künden, Seele. So nannte und kannte der Sterbliche alsoschon längst ein Reich des Ucbcrsinnlichen, eh' er sich dessenbewußt war; und glaubte, in argloser Selbsttäuschung, das in derWelt um sich her zu gewahren, was er doch nur in der Noth-wendigkeit seines geistigen Gesetzthums gedanklich hinzngcfügt hatte.

So wenig wir nun heut noch die obcnbcmcrkte Eintheilung desWeltinhalts entbehren können, eben so wenig können wir unsdes Gebrauchs jener verschiedenen Bezeichnungen des Ursächlichenentschlagcn. Alles ist Frucht des Verfahrens, welches der Geistim Denken beobachten muß.

Der Verstand (10.) verleiht (durch Ucbertragung des derSinnlichkeit Entnommenen ans das Uebersinnliche) demWesenden, was er von den Erscheinungen abzog (abstrahirt). Aufsolche Alt geben wir, beziehungsweise (relativ) ans die unter-scheidbaren Erscheinungen, auch der Natur verschiedene Namen.Sie heißt im Bezug auf den Stoff das allgegenwärtige Sachliche;im Bezug auf Bewegung und Acnderung aller Dinge, das all-mächtig Wirkende; fleheißt im Bezug auf das Leben in Pflanzen,Thicren und Menschen, deren jedes einzeln ein in sich zum GanzenVollendetes und Abgeschlossenes ist, die lebendige Einheit desAlls; im Bezug ans das empfindende Seelische im Menschen, wieim Thiere das Allscclige oder die Wcltscelc. Und wir dürfenuns daher nicht wundern, wenn die geoffenbarten Religionen derVölker das höchste Wesen, Gott selbst, mit eben denselben