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Denn von der Sinnlichkeit erzogen und durch das tägliche Lebenverwöhnt, wollen wir Alles gern sinnlich ergreifen. Wir wissennicht, unter welcher Gestalt und Farbe, oder in welcher Weiseund Bewegung wir uns ein übersinnliches Wesen, den Geist,die Natur, die Gottheit n. s w., verstellen sollen? Wir könnenuns von dem, was da weset, kein sinnliches Bild schaffen; nichteinmal den Begriff machen.
Dies ist allerdings richtig. Ein Wesen, als solches, begreifenkönnen wir nicht, weil jeder Begriff eine Zusammenfassung desMannigfaltigen zu seiner Einheit ist, in welcher und zu welcherjenes verwandt steht. Das Wesen aber ist selber die Einheitdes von ihm und zu ihm gewordenen Mannigfaltigen; ist selberdas alle seine Wirkungen in sich begreifende Ursächliche (8.).Der Geist hat also eigentlich nur ein Kennen vom Dasein desWesenden, aber kein Begreifen und Erkennen (7.) desselben,weil Erkenntlich nur Hcimführnng und Verbindung des Mannig-faltigen zur ursächlichen Einheit ist. Darum begreift der mensch-liche Geist sich, als Wesendes, selber nicht, weil er selber Inbe-griff und Allbedingendcs des in ihm Bedingten ist. Dennoch kennter und weiß er nrgewiß sein Dasein. Das Nichtbcgreifenkönnendes Wesenden liegt nicht sowohl am Uebersinnlichen desselben,als an seinem einheitlichen, in sich nicht unterscheidbarenBestehen. Auch Vorstellungen, insofern sie einzeln und ganz ein-fach sind, können nicht begriffen werden. Eben so sind einzelneund einfache Sinncsempfindungcn für sich unbcgrcifbar, weil inihnen keine Mannigfaltigkeit wohnt. Wer begreift denn Wohl,was roth, was sauer, was Klang in sich sei? Wer kann die Vor-stellung davon auslöscn, wie einen Begriff, und daraus die Merk-male einem Andern mittheilen? Alles endet zuletzt in reines Ken-nen, d. i. in bloße Dascinsknnde; und die höchste Erkcnntnißführt zuletzt dahin, daß Kcnntniß und Erkcnntniß eins werden.