49
IS. Warum Wesendes uubegreifbar »ud doch gekannt?
Natur und Geist sind also beide Nr- und Sachliches, oder We-sendes ; Welt und Gedanklichkeit aber sind beide nur Wirkung, Anders-sein von jenen, in sich wandelbar und wesenlos, d. i. seiend (8.),
Ich sehe gar Wohl ein, daß diese Vorstellungsart denjenigenbefremden muß, welcher durch Gewohnheit sinnlichen Anschanensbefangen ist. Es muß ihm verkehrt scheinen, das, was kein Augegesehen, kein Ohr gehört hat, für allein sachlich und wescnhaftvorhanden zu halten; nnd hinwieder das, was wir thatsächlichmit allen fünf Sinnen ertasten nnd erfassen, für so wesenlos geltenzu lassen, wie einen nichtigen, flüchtigen Gedanken.
Aber das Thatsächliche ist ja eben darum, weil es thatsäch-lich ist, nicht das Ursächliche; jenes ist das Vergängliche, diesesdas Bleibende. Unsere Vorstellungen sind das Thatsächliche imGeists; und das in nnserm Sinn Empfundene ist im Seelischennur Erregtes, oder Thatsächlichcs in der Seele. Die Empfin-dung des Angenehmen und Unangenehmen, des Süßen und Bittern,des Wohlklangs nnd Mißklangs, des Nöthen und Blauen, desHellen nnd Dunkeln ist nicht außer den Sinnen, sondern inihnen das Erregte! Was wirkend außer der Seele beharrt,selbst wenn die Empfindungen vorschwunden sind, ist das Erregende;und die Empfindungen kehren wieder, sobald dies Andre abermalsdie Seele dazu weckt. Eben dies Andre, dies Wirkende, dies Er-regende, weset; aber nicht die Erregung. Das erregbare Seeli-sche, welches Empfindungen und Gefühle in sich hervorbringt, wesetoder wirket ebenfalls; nicht das Gefühl, nicht die Empfindung (desBlauen, Rothen, Süßen, Bittern u. s. w.), weset. Wenn wirnun das in der Seele Empfundene außerhalb derselben vor-handen glauben: so ist dies ein verzeihlicher Gesichtsbetrug desVerstandes.
Zsch. Setbstscha». II. 2'