dasjenige, was er Leben nennt. Der fallende Stein bewegt sich,aber er ist leblos. Hingegen Pflanzen, Thicre und Menschen ver-rathcn Leben, oder die wunderbare Macht, welche durch sich selbstmancherlei Stoffe und Kräfte zu einem Elgcnganzen (Individuum)gliedert, dessen einzelne Theile Werkzeuge werden zur Anziehung,Aussonderung oder Verwandlung von Stoffen und Kräften, umdas Ganze zu erhalten, oder ln davon ausgehenden neuen Eigen-ganzen zu vervielfältigen.
Aber gleichwie die Pflanze durch ihr Leben höher steht, denndas Leblose:' so erhebt sich das Thier über die Pflanzenwelt. Dennes verkündet in seinen Bewegungen etwas Anderes, als die Pflanze.Es äußert Empfindung von Lust und Schmerz; es gewahrt die Dinge»m sich her. Es hat Seele.
Auch der Mensch ist beseelt, wie das Thier; denn er gewährtund empfindet, wie dieses. Er ist belebt, wie die Pflanze. SeinLeib ist ein Verein von Stoffen und Kräften, wie jeder andreKörper. Aber in ihm ist eine noch höhere Macht thätig, durch dieer, seiner selber bewußt, das All der Dinge überschaut, begreift,versteht, und vermöge deren er in sich ein Gesetz der Sittlichkeitoder Heiligkeit kennt, welches weder für Thiere noch für Pflanzengilt. Diese folgen dem Gesetz der Naturtriebe. Im Menschenwohnt ein Bewußtsein der Freiheit, durch welche er selbst denTrieben des Lebens, den Begierden der Seele widerspricht. Daist mehr, als nur Seele: — da ist der Geist.
Mögen Stoff und Bcwegkrast, Leben, Seele, Geistzuletzt an sich eins und dasselbe, oder Verschiedenartiges sein. Neh-men wir sic einstweilen, wie sic der gemeine Menschenverstandnimmt, als besondere Arten der Wesen, da sie sich doch in ihrenErscheinungen und Merkmalen so scharf von einander anszcichnen.
Von dieser Eintheilnng alles dessen, was uns die Welt zeigt,von dieser Ansicht des gemeinen Menschenverstandes wollen wir