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Würdet Ihr von Finstcrniß wissen, wenn Ihr kein Licht inEuch trüget? oder vom Jrrthnm, wenn Ihr keine Wahrheit hättet?
Zwar nie wird ein sterblicher Oedipns das Alles lösende Wortzum Schlüssel des alten Welträthsels finden; nnd der JahrtausendeScharfsinn oder Erfahrung wird nicht das letzte Gchcimniß ausden Tiefen der Natur zu Tage fördern. Doch eben dies, was denBlöden wohl des Mnthcs beraubt, beurkundet die Göttlichkeitdes Forschergcschäftcs. Der Weg zum Wissen des Wiffcnswür-digstcn ist Bahn der Affymptotc durch die Unendlichkeit. Für-wahr, der Weise müßte ja im Entsetzen und Grausen vergehen,könnt' er je das Ende dieser Bahn schauen!
Das Betrachten des göttlichen Alls ist wahrhaft hohcspriester-lichcs Geschäft; Anfschancn in das Allerhciligste der ewigen Stifts-Hütte zu dem, der da ist, war und sein wird.
Das Verzweifeln an aller Gewißheit unserer Kenntnisse ist dererste Schritt zur Gewißheit. Nur soll die Verzweiflung uns nichtlähmen, sondern reizen nnd vorwärts jagen, das Acußcrste zuwagen. Der Schiffer, wenn er im Mecrstnrm Untergang sicht,geht unter, sobald er sich anfgibt; er findet noch Rettung durchdie Tollkühnheit der Verzweiflung.
Ich habe unter Männern und Weibern, die eine gewisse Stufevon Bildung und Kraft des Sclbstdcnkcns gewonnen hatten, be-merkt, daß sie, und zwar im beginnenden Alter ihrer Mannbar-keit, häufig Zweifler wurden. Der Zeitpunkt des Mannbarwcr-dens selbst führt, mit Wachsthnm nnd Entfaltung der ganzenNatur des Körpers, einen krankhaften Zustand desselben herbei.Ist aber der Leib, dies Werkzeug des Geistes, vollendet nnd fest,tritt gewöhnlich auch ein ähnlicher Zustand für den Geist ein. DesIngendalters vornehmste Kraft ruht im Gedächtniß. Sein Thunbesteht meistens im Lernen und Glauben, im Empfangen und Be-halten. Dann aber erstarkt, wird er selbst schaffend, und er lebt