baut. Was aber wird, bei der Naturnothwcndigkcit unserer Er-kcnutnißgesetze, aus dem Stolz unserer Willensfreiheit? Denn ichwill, je nachdem ich denken muß. Was wird aus jener Frei-heit beim unabwehrbarcn Einfluß der Erziehung, der Gewohnheits-macht, der Altersstufe, der Nervcnrctzbarkeit, und im Weichen Zugeder uns mit sich fortflutcndcn Schicksale?"
„Fragen, wie diese, haben Tausenden unserS Geschlechts, undnicht den Unedelsten, herbe Trostlosigkeit gebracht. Tausende mögenim stummen Verzagen aus der Welt gegangen sein. Tausende flüch-teten sich, um sich selber zu vergessen, in gemeines, wildes Lust-lcbcn, in wüste Zerstreuung; oder in die Klostcrstilic und Kloster-strenge irgend eines Kirchcnglaubens, der das Sclbstdcnkcn verpönt.Der Weg des Unglaubens führt endlich wieder zur blinde»Dummglaubigkeit; aber der Weg des Zweifels entweder zumSieg oder Tod aller Wahrheit."-
So sprach ich einst.
Doch eben in jenen Zweifeln, welche die Hoheit des mensch-lichen Wesens mit Dcmüthigung bedrohen, erkenn' ich heut dessenWürde. Im erhabenen Zorn des Geistes über die eigne Ohnmachtinner den Schranken der Natur, erblick' ich des Geistes Machtglänzender, als in allen vergänglichen Schöpfungen menschlicherKunst. Ohne Verdienst, ohne Schuld wegen seines Daseins, stehtunser Geist, wenn kein Gott, doch einem Göttlichen gleich, aufdem Marchstein des Seins und Nichtseins, und richtet die nur ge-rechte, nicht vermessene, Frage an das Ur alles Wesens und Seins:„Wer bist Du? Wer bin ich?" — Des Menschen Dasein alleinschon gab Vollmacht zu solcher Aufforderung und Frage.
Kein anderes uns bekanntes Wesen kann diese Frage ins Welt-all hinctnrufen. Der Mensch nur kann es; er soll cs! — Sagetnicht: „Ihm antwortet niemand draußen!" Habet Ihr auch schondrinnen gehorcht? Saget nicht: „Nacht und Finsterniß ringsum! "