254
Die heilige Cäeilke oder die Gewalt der Musik.
die Thür, und ließ sich, nachdem er sie auf einen Stuhl nieder-genöthigt hatte, folgendermaßen vernehmen: „Meine liebe Frau!wenn ihr mich, der mit euren Söhnen vor sechs Jahren in genauerVerbindung gestanden, in keine Untersuchung deshalb verwickeln wollt,so will ich euch offenherzig und ohne Rückhalt gestehen: ja, wir ha-ben den Vorsatz gehabt, dessen der Brief erwähnt! Wodurch dieseThat, zu deren Ausführung alles auf das Genaueste mit wahrhaftgottlosem Scharfsinn angeordnet war, gescheitert ist, ist mir unbe-greiflich ; der Himmel selbst scheint das Kloster der frommen Frauenin seinen heiligen Schutz genommen zu haben. Denn wißt, daß sicheure Söhne bereits zur Einleitung entscheidenderer Auftritte mehreremuthwillige, den Gottesdienst störende Possen erlaubt hatten, mehrdenn dreihundert mit Beilen und Pcchkränzeu versehene Böscwichteraus den Mauern unserer damals irregeleiteten Stadt erwartetennichts als da« Zeichen, daS der Prädicant geben sollte, um den Domder Erde gleich zu machen. Dagegen bei Anhebung der Musik neh-men eure Söhne Plötzlich in gleichzeitiger Bewegung und ans eineuns auffallende Weise die Hüte ab; sie legen nach und nach wie intiefer unaussprechlicher Rührung die Hände vor ihr herabgebcugtesGesicht, und der Prädicant, indem er sich nach einer erschütterndenPause plötzlich umwendet, ruft uns Allen mit lauter fürchterlicherStimme zu, gleichfalls unsere Häupter zu entblößen! Vergebens for-dern ihn einige Genossen flüsternd, indem sie ihn mit ihren Armenleichtfertig anstoßen, auf, das zur Bilderstürinerei verabredete Zeichenzu geben; der Prädicant, statt zu antworten, läßt sich mit kreuzweisauf die Brust gelegten Händen auf Kniecn nieder und murmeltsammt den Brüdern die Stirn inbrünstig in den Stanb herab ge-drückt, die ganze Reihe noch kurz vorher von ihm verspotteter Ge-bete ab. Durch diesen Anblick tief im Innersten verwirrt, steht derHaufen der jämmerlichen Schwärmer, seiner Anführer beraubt, inIlnschlüssigkeit und Unthätigkeit bis au den Schluß des vom Altan