Die heilige Cacilie oder die Gewalt der Musik.
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Eben schickten sich die Nonnen auf dem Altan der Orgel dazuan; die Partitur eines Musikwerks, das man schon häufig gegebenhatte, ward vertheilt, Geigen, Hoboen und Bässe geprüft und ge-stimmt, als Schwester Antonia Plötzlich, frisch und gesund, ein wenigbleich im Gesicht, von der Treppe her erschien; sie trug die Partiturder uralten italienischen Messe, auf deren Ausführung die Aebtissinso dringend bestanden hatte, unter dem Arm. Ans die erstaunteFrage der Nonnen, wo sie herkomme, und wie sie sich plötzlich soerholt habe, antwortete sie: gleichviel, Freundinnen, gleichviel! ver-theilte die Partitur, die sie bei sich trug, und setzte sich selbst, vonBegeisterung glühend, an die Orgel, um die Direction de« vortreff-licher! Musikstücks zu übernehmen. Demnach kam cs wie ein wun-derbarer himmlischer Trost in die Herzen der frommen Frauen; siestellten sich augenblicklich mit ihren Instrumenten an die Pulte; dieBeklemmung selbst, in der sie sich befanden, kam hinzu, um ihreSeelen wie ans Schwingen durch alle Himmel des Wohlklangs zuführen; das Oratorium ward mit der höchsten und herrlichsten mu-sikalischen Pracht ausgeführt; es regte sich während der ganzen Dar-stellung kein Odem in den Hallen und Bänken; besonders bei demsalvs Ivgiliu und noch mehr bei dem glorla in exlldsis war es,als ob die ganze Bevölkerung der Kirche todt sei; dergestalt daß denvier gottverdammten Brüdern und ihrem Anhang zum Trotz, auchder Staub auf dem Estrich nicht verweht ward, und das Klosternoch bis an den Schluß des dreißigjährigen Krieges bestanden hat,wo man es vermöge eines Artikels im westphälischen Frieden säku-larisirte.
Sechs Jahre darauf, da diese Begebenheit längst vergessen war,kam die Mutter dieser vier Jünglinge aus dem Haag an, und stellteunter dem betrübten Vorgeben, daß dieselben gänzlich verschollen wä-ren, bei dem Magistrat zu Aachen wegen der Straße, die sie vonhier ans genommen haben mochten, gerichtliche Untersuchungen an.