Der Findling.
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teil nun, weil sie niemand mehr brauchte, in dm Sinn gekommenwar, an ein kleines Kind in der Nachbarschaft zn verschenken. DieMagd, der man anfgegcben hatte, sie unter vielen andern altenSachen anfzusnchen, hatte inzwischen nicht mehr gefunden, als diesechs die den Namen Ni colo ansmachen; wahrscheinlich weil dieandern, ihrer geringeren Beziehung auf den Knaben wegen, minderin Acht genommen und, bei welcher Gelegenheit cs sei, verschleudertworden waren. Da min Nicolo die Lettern, welche seit mehrerenTagen ans dem Tisch lagen, in die Hand nahm, und während er,mit dem Arm ans die Platte gestützt, in trüben Gedanken brütete,damit spielte, fand er — zufällig in der That selbst, denn er er-staunte darüber, wie er noch in seinem Leben nicht gcthan — dieBerbindnng heraus, welche den Namen Colino bildet. Nicolo, demdiese logogrpphische Eigenschaft seines Namens fremd war, warf, vonrasenden Hoffnungen von neuem getroffen, einen ungewissen undscheuen Blick ans die ihm zur Seite sitzende Elvire. Die Ueberein-stimmnng, die sich zwischen beiden Wörtern angeordnct fand, schienihm mehr als ein bloßer Zufall, er erwog in unterdrückter Freudeden Umfang dieser sonderbaren Entdeckung, und harrte, die Händevom Tisch genommen, mit klopfendem Herzen des Augenblicks, daElvire anfschen und den Namen, der offen da lag, erblicken würde.Die Erwartung in der er stand, täuschte ihn auch keineswegs; dennkaum hatte Elvire, in einem müßigen Moment, die Aufstellung derBuchstaben bemerkt und harmlos und gedankenlos, weil sie ein wenigkurzsichtig war, sich näher darüber hingebeugt, um sie zn lesen, alssie schon Nicolo's Antlitz, der in scheinbarer Gleichgültigkeit daraufniedersah, mit einem sonderbar beklommenen Blick überflog, ihre Ar-beit mit einer Wehmnth die man nicht beschreiben kann wieder anf-nahm, und, unbemerkt wie sie sich glaubte, eine Thräne nach derandern unter sanftem Erröthen ans ihren Schooß fallen ließ. Ni-kolo, der alle diese innerlichen Bewegungen, ohne sie anzusehen, beob-H. v. Kleist s Werke. III. Vd. 16