Druckschrift 
3 (1859) Erzählungen; Robert Guiskard; Gedichte, Epigramme etc.; Anhang
Entstehung
Seite
197
Einzelbild herunterladen
 

Die Verlobung in St. Domingo.

197

mit dir niederznlassen? Toni, ohne die Augen zn ihm aufzuschlagen,erwiederte: o nein! Vielmehr, sprach sie, indem sie das Kreuz, dassie in der Hand hielt, fahren ließ: Konelly ist seit der letzten Wen-dung der Dinge ein reicher Mann geworden; seinem Vater ist dieganze Niederlassung, die sonst dem Pflanzer, seinem Herrn gehörte,zugefallcn. Warum lehntest du denn seinen Antrag ab? fragteder Fremde. Er streichelte ihr freundlich das Haar von der Stirnund sprach: gefiel er dir etwa nicht? Das Mädchen, indem sie kurzmit dem Kopf schüttelte, lachte; und ans die Frage des Fremden,ihr scherzend in'S Ohr geflüstert, ob es vielleicht ein Weißer seinmüsse, der ihre Gunst davon tragen solle, legte sie sich plötzlich nacheinem flüchtigen, träumerischen Bedenken unter einem überaus rei-zenden Erröthen, das über ihr verbranntes Gesicht ausloderte, anseine Brust. Der Fremde, von ihrer Anmuth und Lieblichkeit ge-rührt, nannte sie sein liebes Mädchen, und schloß sie, wie durch gött-liche Hand von jeder Sorge erlöst, in seine Arme. Es war ihmunmöglich zu glauben, daß alle diese Bewegungen, die er au ihrwahrnahm, der bloße elende Ausdruck einer kalten und gräßlichenVerrätherci sein sollten. Die Gedanken, die ihn beunruhigt hatten,wichen wie ein Heer schauerlicher Vögel von ihm; er schalt sich, ihrHerz nur einen Augenblick verkannt zu haben, und während er sieauf seinen Knieen schaukelte, und den süßen Athcm einsog, den sieihm heraufsandte, drückte er, gleichsam zum Zeichen der Aussöhnungund Vergebung, einen Kuß auf ihre Stirn. Inzwischen hatte sichdas Mädchen unter einem sonderbar plötzlichen Aushorchen, als objemand von dem Gange her der Thür nahte, cmporgerichtet; sierückte sich gedankenvoll und träumerisch daS Tuch, das sich überihrer Brust verschoben hatte, zurecht; und erst als sie sah, daß sievon einem Jrrthum getäuscht worden war, wandte sie sich mit eini-gem Ausdruck von Heiterkeit wieder zu dem Fremden zurück underinnerte ihn, daß sich das Wasser, wenn er nicht bald Gebrauch