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DaS Erdbeben in Chili.
das Gefängniß, in welchem Jeronimo geseufzt hatte, in Trümmernsah. Bei diesem Anblicke wankte sie und wollte besinnungslos aneiner Ecke niedersinken; doch in demselben Augenblick jagte sie derSturz eines Gebäudes hinter ihr, das die Erschütterungen schon ganzaufgelöst hatten, durch das Entsetzen gestärkt, wieder ans; sie küßtedas Kind, drückte sich die Thräncn ans den Angen, und erreichte,nicht mehr ans die Gräuel die sie umringten achtend, das Thor.Als sie sich im Freien sah, schloß sie bald, daß nicht jeder, der einzertrümmertes Gebäude bewohnt hatte, unter ihm nothwcndig müssezerschmettert worden sein. An dem nächsten Scheidewege stand siestill, und harrte, ob nicht Einer, der ihr nach dem kleinen Philippder liebste ans der Welt war, noch erscheinen würde. Sie ging,weil niemand kam, und das Gewühl der Menschen anwuchs, weiter,und kehrte sich wieder um und harrte wieder; und schlich, viel Thrä-ncn vergießend, in ein dunkles von Pinien beschattetes Thal, nurseiner Seele, die sie entflohen glaubte, nachznbeten; und fand ihnhier, diesen Geliebten, im Thals, und Seligkeit, als ob es das Thalvon Eden gewesen wäre. Dies Alles erzählte sie jetzt voll Rührungdem Jeronimo und reichte ihm, da sie vollendet hatte, den Knabenznm Küssen dar. — Jeronimo nahm ihn und hätschelte ihn in un-säglicher Vaterfreude, und verschloß ihm, da er das fremde Antlitzanweinte, mit Liebkosungen ohne Ende den Mund. Indessen wardie schönste Nacht herabgesticgen, voll wundermilden Dustes, so sil-berglänzend und still, wie nur ein Dichter davon träumen mag.lleberall längs der Thalquclle hatten sich im Schimmer des Mond-scheins Menschen niedergelassen, und bereiteten sich sanfte Lager vonMoos und Laub, um von einem so qualvollen Tage auszuruhcn.Und weil die Armen immer noch jammerten: dieser, daß er sein Hans,jener, daß er Weib und Kind, und der dritte, daß er Alles verlorenhabe, so schlichen Jeronimo und Josephe in ein dichteres Gebüsch,um durch das heimliche Gejanchz ihrer Seelen niemand zu betrüben.