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Die Marquise von O. >. >
gekränkten Würde, hochroth im Gesicht glühend, die Hand küßte,das muß es! obschon die Umstände so außerordentlich sind, daß esmir erlaubt ist daran zu zweifeln. Ich schwöre, weil es doch einerVersicherung bedarf, daß mein Bewußtsein gleich dem meiner Kinderist; nicht reiner, BcrehrungSwürdigste, kann das Ihrige sein. Gleich-wohl bitte ich Sie, mir eine Hebamme rufen zu lassen, damit ichmich von dem was ist, überzeuge, und gleichviel alsdann was essei, beruhige. Eine Hebamme! rief Frau von G... mit Entwür-digung. Ein reines Bewußtsein und eine Hebamme! Und die Spracheging ihr ans. Eine Hebamme, meine theuerstc Mutter, wiederholtedie Marquise, indem sic sich auf Kniccn vor ihr niederließ — unddas augenblicklich, wenn ich nicht wahnsinnig werden soll. O sehrgern, versetzte die Obristin; nur bitte ich das Wochenlager nicht inmeinem Hause zu halten. Und damit stand sie ans und wollte dasZimmer verlassen. Die Marquise, ihr mit ansgebreiteten Armenfolgend, siel ganz auf das Gesicht nieder und umfaßte ihre Kniee.Wenn irgend ein unsträfliches Leben, rief sie, mit der Beredsamkeitdes Schmerzes, ein Leben nach Ihrem Muster geführt, mir ein Rechtans Ihre Achtung giebt, wenn irgend ein mütterliches Gefühl auchnur, so lange meine Schuld nicht sonnenklar entschieden ist, in Ih-rem Busen für mich spricht, so verlassen Sie mich in diesen entsetz-lichen Augenblicken nicht. — Was ist es, das dich beunruhigt? fragtedie Mutter. Ist es weiter nichts als der Ansspruch des Arztes?weiter nichts als dein innerliches Gefühl? Nichts weiter, meine Mut-ter, versetzte die Marquise, und legte ihre Hand auf die Brust.Nichts, Julietta? fuhr die Mutter fort. Besinne dich. Ein Fehl-tritt, so unsäglich er mich schmerzen würde, er ließe sich, und ichmüßte ihn zuletzt verzeihen; doch wenn du, um einem mütterlichenVerweis auszuweichen, ein Mährchen von der Umwälzung der Welt-ordnung ersinnen und gotteslästerliche Schwüre häufen könntest, umes meinem dir nur allzugerngläubigen Herzen aufzubllrden, so wäre