Die Marquise von O_
123
geben sollte, wozu die Marquise einen großen Hang hatte; doch dader Obrist das Landleben nicht liebte, so bezog die Familie ein Hausin der Stadt und richtete sich dasselbe zu einer immerwährendenWohnung ein. Alles kehrte nun in die alte Ordnung der Dingezurück. Die Marquise knüpfte den lange unterbrochenen" Unterrichtihrer Kinder wieder an und suchte für die Feierstunden ihre Staffele!und Bücher hervor, als sie sich, sonst die Göttin der Gesundheitselbst, von wiederholten Unpäßlichkeiten befallen fühlte, die sie ganzeWochen lang für die Gesellschaft untauglich machten. Sie litt anUebelkeiten, Schwindeln und Ohnmächten, und wußte nicht, was sieaus diesem sonderbaren Zustand machen solle. Eines Morgens, dadie Familie beim Thee saß, und der Water sich ans einen Augenblickaus dem Zimmer entfernt hatte, sagte die Marquise, aus einer lan-gen Gedankenlosigkeit erwachend, zn ihrer Mutter: wenn nur eineFrau sagte, daß sie ein Gefühl hätte, eben so wie ich jetzt, da ichdie Tasse ergriff, so würde ich bei mir denken, daß sie in gesegne-ten Leibesumständen wäre. Frau von G.... sagte, sie verstände sienicht. Die Marquise erklärte sich noch einmal, daß sie eben jetzteine Sensation gehabt hätte, wie damals, als sie mit ihrer zweitenTochter schwanger war. Frau von G.... sagte, sie würde vielleichtden Phantasns gebären, und lachte. Morpheus wenigstens, versetztedie Marquise, oder einer der Träume aus seinem Gefolge, würdesein Vater sein; und scherzte gleichfalls. Doch der Obrist kam, dasGespräch ward abgebrochen, und der ganze Gegenstand, da die Mar-quise sich in einigen Tagen wieder erholte, vergessen.
Bald darauf ward der Familie, eben zn einer Zeit, da sich auchder Forstmeister von G...., des Commandanten Sohn, in dem Hauseeingcfnndcn hatte, der sonderbare Schrecken, durch einen Kammer-diener, der ins Zimmer trat, den Grafen F... anmelden zn hören.Der Graf F...! sagte der Vater und die Tochter zugleich; und dasErstaunen machte alle sprachlos. Der Kammerdiener versicherte, daß