Michael Kohlhaas.
105
vernichtender treffen, als mich dieser Anblick, und meine erste Be-mühung, sobald ich der Gesellschaft in der ich mich befand überho-ben, war gleich den Mann mit dem Federhut, den mir das Weibbezeichnet hatte, auszumitteln; doch keiner meiner Leute, unausgesetztwährend drei' Tagen auf Kundschaft geschickt, war im Stande mirauch nur auf die entfernteste Weise Nachricht davon zu geben: undjetzt, Freund Kunz, vor wenig Wochen, in der Meierei zu Dahme,habe ich den Mann mit meinen eigenen Angen gesehn. — Damitnun ließ er die Hand des Kämmerers fahren; und während er sichden Schweiß abtrocknete, sank er wieder auf das Lager zurück. DerKämmerer, der es für vergebliche Mühe hielt, mit seiner Ansicht vondiesem Vorfall die Ansicht, die der Kurfürst davon hatte, zu durch-kreuzen und zu berichtigen, bat ihn, doch irgend ein Mittel zu ver-suchen, des Zettels habhaft zu werden und den Kerl nachher seinemSchicksal zu überlassen; doch der Kurfürst antwortete, daß er plat-terdings kein Mittel dazu sähe, obschon der Gedanke, ihn entbehrenzu müssen oder wohl gar die Wissenschaft davon mit diesem Men-schen nntergehen zu sehen, ihn dem Jammer und der Verzweiflungnahe brächte. Ans die Frage des Freundes: ob er denn Versuchegemacht die Person der Zigeunerin selbst auszusorschcn? erwiederteder Kurfürst, daß das Gnberninm auf einen Befehl, den er untereinem falschen Vorwand au dasselbe erlassen, diesen: Weibe vergebensbis auf den heutigen Tag in allen Plätzen des Knrfürstenthnmsnachspüre: wobei er aus Gründen, die er jedoch näher zu entwickelnsich weigerte, überhaupt zweifelte, daß sie in Sachsen auszumittelnsei. Nun traf es sich, daß der Kämmerer mehrerer beträchtlichenGüter wegen, die seiner Frau ans der Hinterlassenschaft des abge-setzten und bald darauf verstorbenen Erzkanzlcrs Grafen Kallheim inder Neumark zugefallen waren, nach Berlin reisen wollte; dergestaltdaß, da er den Kurfürsten in der That liebte, er ihn nach einer kur-zen Ueberlegung fragte: ob er ihm in dieser Sache freie Hand lassen