40
Michael KohlhaaS.
auslösete, um ihn, wie er meinte, zu umzingeln und zu erdrücken,ward er von KohlhaaS, der seinen Hansen zusammenhielt, auf ver-einzelten Punkten angegriffen und geschlagen, dergestalt daß schonam Abend des nächstfolgenden Tages kein Mann mehr von demganzen Hansen, ans den die Hoffnung des Landes gerichtet war, ge-gen ihn im Felde stand. KohlhaaS, der durch diese Gefechte einigeLeute cingebüßt hatte, steckte die Stadt am Morgen des nächstenTages von neuem in Brand, und seine mörderischen Anstalten wa-ren so gut, daß wiederum eine Menge Häuser und fast alle Scheu-nen der Vorstadt in Asche gelegt wurden. Dabei plackte er das be-wußte Mandat wieder, und zwar an die Ecken des Rathhanses selbstan, und fügte eine Nachricht über das Schicksal des von dem Landvogtabgeschickten und von ihm zu Grunde gerichteten Hauptmanns vonGcrstenberg bei. Der Landvogt, von diesem Trotz auf's Aeußersteentrüstet, setzte sich selbst mit mehreren Rittern an die Spitze einesHaufens von hundert und fünfzig Mann. Er gab dem Junker Wen-zel von Tronka ans seine schriftliche Bitte eine Wache, die ihn vorder Gewaltthätigkeit des Volks, das ihn platterdings ans der Stadtentfernt wissen wollte, schützte; und nachdem er auf allen Dörfernin der Gegend Wachen ausgestellt, auch die Ringmauer der Stadt,um sie vor einem Ueberfall zu decken, mit Posten besetzt hatte, zoger am Tage des heiligen Gervasius selbst ans, um den Drachen,der das Land verwüstete, zu fangen. Diesen Haufen war der Roß-kamm klug genug zu vermeiden; und nachdem er den Landvogt durchgeschickte Märsche fünf Meilen von der Stadt hinweggelockt, undvermittelst mehrerer Anstalten, die er traf, zu dem Wahn verleitethatte, daß er sich von der Nebermacht gedrängt ins Brandenburgischewerfen würde: wandte er sich plötzlich beim Einbruch der drittenNacht, kehrte in einem Gewaltritt nach Wittenberg zurück und stecktedie Stadt zum drittenmal in Brand. Herse, der sich verkleidet indie Stadt schlich, führte dieses entsetzliche Wagestück aus; und die