278
Z.210.
Demnach verdient in der Regel die von der Negierung ge-führte Postverwaltung den Borzug. Wo indessen mehrere kleinean einander grunzenden Staaten, wie in Deutschland, der Schweizund Italien, ihre eigenen, noch dazu nach verschiedenen Regelnverwalteten Staatsposten haben, da zeigen sich erhebliche Nach-theile. Dieser Zustand vervielfacht die Berechnungen, erhöht dieKosten der Aufsichtsbehörden und vertheuert schon hiedurch dasPorto, was durch das häufig wahrzunehmende wetteifernde Be-streben der Negierungen nach größeren Einnahmen in noch höheremMaaße geschieht; er giebt ferner zu manchen Mißbrauchen, z. B.zur Umleitung der Briefe, Anlaß, und schwächt selbst die Sicher-heit, weil er die Entdeckung des Unterschusses erschwert; über-haupt leidet der Zusammenhang der Posten auf einer größerenFläche. Mit der Ausdehnung des Postgebietes nimmt die Leich-tigkeit verschiedener Vervollkommnungen zu. Ein Privatunter-nehmer, dem die Posten in allen solchen Staaten übertragen sind,kann sie mit leichter Mühe wohlfeil, sicher und bequem ein-richten (n).
(«) Die der Postvcrwaltung des Fürsten von LH urn und Taxis un-tergebenen Länder haben jetzt (48S0) gegen 4'900 000 Einwohner.
§. 211 .
Zn den Ländern, welche mehrere benachbarte kleinere Staats-gebiete enthalten, könnte ohne Aufstellung eines Privatunterneh-mers der erwähnte Bortheil (8. 210) auch auf andere Weise,durch -Verabredung der einzelnen Negierungen erreicht werden,wenn man sich dahin vereinigte, gleiche Grundsätze über die Be-fugnisse und Verpflichtungen der Postanstalt, eine gemeinsamePostordnung, gemeinsame Tarife rc. aufzustellen, eine oberste Be-hörde zur Oberaufsicht zu errichten und das vereinigte Gebiet inBeziehung auf die Taxen und Curse wie ein Ganzes zu be-handeln. Staaten von einer zu kleinen Oberfläche oder Volks-menge müßten sich zu einer gemeinschaftlichen Postverwaltungverbinden. Bei dieser ganzen Vereinbarung müßte man dieGemeinnützigkeit und Vollkommenheit der Postanstalt sich zumZiele setzen und kleinliche, siscalische Rücksichten beseitigen («).