und weltlichen Moral, und der Kritik. — Wieland. 28!)
letzterwähnten Erzählungen (seit 1774) verfaßte. Es ist der Gegensatzder Philisterei und des Pfahlbürgerthums gegen die romantische Ritter-welt, ein wielandisirteö Volks- und Lalcnbnch. So albern sein Amadisgegen den Oberon, so albern ist sein Diogenes gegen die Abderiten.Allerdings verspricht auch dieses Werk mehr als es hält; es ist Alles zusehr ausgesponncn, und es fällt bald in scherzhaften Erfindungen, baldin halb philologischen Abschweifungen hier und da aus dem Tone. DerAnfang aber gehört zu dem Besten, das Wieland geschrieben hat. Derwcltbürgerliche Philosoph von Abdera, Demokrit, kehrt von Reisen heim,begierig zu lehren und zu bessern unter seinen Landsleuten, die ihn zuhören und zu sehen gespannt sind. Das Verhältniß des am Größten ge-schulten Mannes zu den engbrüstigen Mitbürgern, die alles Mittel-mäßige bewundern, der ewige Widerspruch zwischen Gründen und Vor-urtheilen, Einsicht und Thorheit, zwischen dem lärmenden Ueberstimmenund der siegreichen inneren Stimme deö Unterliegenden, der Streit derRechthaberei gegen den, der Recht hat, der Widerwille einer falschenFreiheit, der Ni emand einreden soll, gegen die einredende Vernunft,der Kampf von Spieß- und Weltbürgerthum, Verschrobenheit und Ge-sundheit, die beiderseitigen Täuschungen, und wie dann der Weiseunter den Pinseln als ein Paradoxer und Tadelsüchtiger erscheint,Alles macht einen einzigen vortrefflichen Gegensatz von großer komi-scher Wirkung, und es ist selbst das Peinliche solcher Verhältnisse da-durch vermieden, daß der Philosoph mit seinem Gelächter den grobenPöbel schägt, daß, wenn das Vorurtheil ihn den Einzelnen überwäl-tigt hat, er doch durch seine Uebcrlegenheit die niedere Masse verirtund ärgert. Man sieht wie dieser Kampf Wieland's gegen die Be-schränktheit, Kleinstädterei und gemeine Wirklichkeit jeder Art im noth-wendigen Gegensatz gegen seine Anfechtungen aller Phantasterei liegt,und daß er auch hier dem Gang der Entwicklung folgt, den das Lebenin Volk und Individuen überall nehmen wird. Mit diesem Werke unddem Oberon schließen sich eigentlich die bedeutenderen Erzeugnisse Wie-land's, die mit der Poesie einen verhältnißmäßig engeren Zusammenhanghaben. Wir stehen in den Abderiten an der Grenze, wo das Roman-tische in seinen Gegensatz überspringt, wo den neuen Ariost neue Rabe-lais und Sterne ablösen, wo wir aus der Ritterwelt in unsere Bürgerweltübergehen sollten. Dieser Gegensatz bildet sich in den 70er Jahren inden Romanen des Hermes, Hippel und Nieolai, auf deren Spitze sichnachher Jean Paul stellt, der in Bezug auf poetische Stoffe und Schreib-art ein so vollkommenes Gegenstück zu Wieland ausmacht, wie KlopstockGe», d. Dicht. IV. B°. 19