u. weltlichen Moral, u. d. Kritik. — Preußens Theilnahme re. 20!)
denn zuerst cm die Stelle der geflügelten Kunstgattungen ein Anderes,ein Neues setzen; man fing an diese „ans fettem Erdreich blühend undfarbreich gebornen Gewächse" höher zu schätzen, als die mit Scheereund Schnur deö holländischen Gärtners zngcstntzten. Für die Stimmeder Natur in dem Volksliede, für diese Erzeugnisse der einfachsten An-schauung den Sinn zu wecken, war nichts so geschaffen wie Ossian; auchist seine Wirkung ans Herder außerordentlich bedeutend gewesen, der die-sen Sinn erst recht bei uns weckte. So wie auch der Gebrauch, der vonOssian im Wertster gemacht wird, darauf hindcntet, von welchem Wertheer auch für die einzige Unmittelbarkeit in diesem göthischen Jugendwerkegewesen ist. Eben hier findet sich auch wieder das Verhciltuiß der ossia-nischen Bardendichtnng zu Gleim heraus. Seine Kriegölieder warenfast das erste Unmittelbare und Volköthümliche, was unsere Poesie auf-zuzeigen hat, und neben Ossian muß Er mit diesen Grenadierliedern,mit seinen Romanzen und Volksliedern als Anfangspunkt der erneuer-ten Volksdichtung angesehen werden.
Wenn man die Lage der deutschen Literatur Friedrich dem Großengegenüber betrachtet, so begreift man wohl, warum er in eine bittereStimmung gegen sic gerietst, auch wenn man nicht einmal daran denkenwollte, daß ihm seine französische Erziehung die Kenntniß und das kind-liche Gefühl für die deutsche Sprache verkümmert habe, geschweige derkleineu Umstände zu gedenken, daß er mit Niemandem so oft deutsch ver-kehrte als mit rohen Soldaten, oder daß er persönlich keine anderen Ver-treter deutscher Schriftstellerei kennen lernte als die Gottsched, Gellertund Sulzer, oder daß man ihm, wie Gleim meinte, die asiatische Banisein die Hände gegeben habe, um ihm den Geschmack zu verderben. Frie-drich war ein Freidenker und an den gewürzten Verkehr mit Voltaireund witzigen Franzosen, au die Lektüre ihrer wafserklaren Prosa gewöhnt.Nun lagerte sich ihm die fromme Dichtung Klopftock'S mit all ihrem sal-bungsvollen Pompe und einer Sprachbildung gegenüber, die selbst de-nen anstößig war, die sich der deutschen Sprache Pfleger zu sein rühm-ten. Was Wunder, daß er sich von dem unverständlichen Zeuge ab-wandte, da er an Gellcrt'ö Fabeln nur darum eine Art Geschmack zeigte,weil er sie verstand. Wenn ihr die Beschaffenheit jener überschwenglichenPoesie auch nie zu Augeu kam, zu Ohren kam sie ihm gewiß, und dieswar genug ihn zu sättigeu. Wenn ihm ja nur einfiel, daß er in seinerJugend deutsche geistliche Lieder zur Strafe hatte auswendig lernen müs-sen, wie sollte er jetzt solche Hymnen zur Erbauung suchen oder zumGenuß! Jetzt nun kam hinzu, daß sich ihm eine deutsch-vaterländische,
Gcrv. d. Dicht. IV. Bd.