Sachsen-Teschen, nach Wien. Hier vertrat er am 11. März die Stelle des KaisersNapoleon, als die Vermählung (pro cura) desselben mit derErzherzoginn MariaLouise vollzogen wurde. Napoleon hatte ihn ausdrücklich zu dieser Handlungerwählt, und ihm später als Dank und Beweis seiner hohen Achtung den grossenAdler und das Kreuz der Ehrenlegion übersendet. Den Kriegsereignissen derJahre 1812, 1813 und 1814 fern, widmete der Erzherzog seine Thätigkeit derMilitär-Literatur, die er durch die beiden Werke bereicherte: „Grundsätze derStrategie, erläutert durch die Darstellung des Feldzuges von 1796in Deutschland,“ Wien, 3 Theile mit 11 Kupfern, Plänen und Karten (insFranzösische, Italienische und Türkische übersetzt), und als Fortsetzung desselben:„Geschichte des Feldzuges von 1799,“ Wien, 2 Bände mit Karten undPlänen. Wenn irgend etwas den Werth dieser classischen Werke erhöhen könnte,so wäre es die seltene Bescheidenheit, mit welcher der erhabene Verfasser seinerpersönlichen Leistungen gedenkt, und die edle Freimüthigkeit, mit welcher erseine begangenen Fehler aufdeckt und beleuchtet. Erst im Jahre 1815 , alsNapoleon von Elba zurückkehrte und Europa gegen den geächteten Mann desJahrhunderts aufbrach, wurde Erzherzog Karl aus seiner Einsamkeit zu neuenThaten berufen. Er wurde von den Alliirten zum Gouverneur von Mainz ernannt,und übernahm dort den Oberbefehl über das aus Österreichern und Bundestruppengebildete Corps. Aber Karl konnte sich nicht mehr mit seinem gewaltigen Gegnermessen, dem die Niederlage bei Waterloo Krone und Freiheit raubte.
Der Erzherzog hatte im Jahrel815 seine letzten Kriegsdienste gethan. Er ver-mählte sich am 17. September des nämlichen Jahres mit derPrinzessinn Henriettevon Nassau-Weilburg, die ihm im Laufe einer 14jälirigen, durch die innigste Überein-stimmung verschönten Ehe 7 Kinder gebar, legte die Stelle als Gouverneur von Mainznieder, und lebte zuerst in Teschen, dann nach dem Tode des Herzogs Albert(12. Februar 1828), dessen Name und grosses Vermögen ihm als Erbe zufiel, theilsin Wien, theils in der im reizenden Ilelenenthale bei Baden erbauten Weilburg.Das heitere, den Künsten und der Erziehung seiner Kinder gewidmete Stillleben desErzherzogs wurde zuerst durch den Tod eines Sohnes (ßudolpli Franz, gestor-ben 1822), wenige Jahre später (19. December 1829) durch den V erlust seinertheuern Gattinn, und endlich im Jahre 1835 durch'den Heimgang seines kaiser-lichen Bruders, Franz des Ersten, getrübt.
Doch gab es wieder Augenblicke in demLebensabende des gefeierten Greises,die mit der Erinnerung an seine Thaten und Siege auch das alte Heldenfeuer inseinem Auge weckten. So die im April 1842 an des Kaisers Statt erfolgte Grundstein-legung der Kettenbrücke in Pesth, bei welcher Gelegenheit der Erzherzog von derBevölkerung mit Enthusiasmus empfangen wurde; seine Jubelfeier als Inhaber des 3.Linien-Infanterie-Regiments (15. und 16. September 1830), und jene erhebende Feier-lichkeit, bei welcher er, als fünfzigjähriger Grosskreuz des Maria Theresien-