I.
Stiftung des Ordens.
Mit grossen Opfern hatte Kaiser Karl VI. die pragmatische Sanetion erkauft. Sie wurde ihmbestätigt von allen Reichen und Ständen, über welche er regierte, und mit den heiligsten Ver-sicherungen von den europäischen Mächten zu halten geloht. Kaum hatte er aber die Augengesehlosssen und seine Tochter Maria Theresia das angestammte Erbe am 20. October 1740 inBesitz genommen, als, trotz aller Verzichte und jeder Verbürgung des Erbfolgegesetzes, die Nach-barstaaten Preussen, Bayern, Sachsen, Sardinien sich mit Frankreich und Spanien in der Absichtverbanden, das ihnen zu mächtig scheinende Erzhaus seiner Lande zu berauben und aus der Reiheder Staaten Europa’s zu vertilgen. Die Gelegenheit dazu war eben so lockend als der Erfolgunfehlbar schien; der kaum beendete Türkenkrieg hatte durch Seuchen und das Schwert dasösterreichische Heer aufgerieben, die Cassen erschöpft und den Staat zerrüttet; den wankendenThron hatte ein junge Fiirstinn bestiegen, und von ihr glaubte man um so willigere Ergebung indie beabsichtigte Theilung zu erwarten, als unter den obwaltenden misslichen Umständen und gegendie vereinte Macht so vieler Feinde jeder Widerstand undenkbar schien. Allein Maria Theresia,begabt mit echt männlichem Muthe, verschmähte es im Bewusstsein ihres Rechtes, ihr Erbe nurtheilweise zu besitzen und nicht im Kampfe zu vertheidigen was nur durch Waffengewalt entrissenwerden konnte; sie wies entrüstet die Zumuthung Friedrich’s II. von sich, der, auf sein ererbtesschlagfertiges Heer, auf seinen gefüllten Schatz bauend, ihr für die Abtretung von Schlesienvollen Beistand gegen alle Feinde versprach; sie wollte eher unter den Trümmern sterben,als in den Trümmern jenes herrlichen Gebäudes wohnen, das ihre erhabenen Ahnen in fünfJahrhunderten durch Kraft und Klugheit errichtet hatten.
Nächst Gott vertraute Maria Theresia auf die Treue ihrer Völker und auf die Tapferkeit ihresHeeres und nahm so den ungleichen Kampf auf. Durch acht Jahre wurde dieser mit abwechselndemGlücke geführt, bis endlich der Friede zu Aachen, unterzeichnet von Österreich am 23. October1748, der Ivaiserinn das väterliche Erbe erneuert sicherte.
In dieser prüfungsreichen Periode hatte die Kaiserinn, welche ihre Armee in den Lagern zubesuchen pflegte und den Nameh „Mutter der Heere“ 1 ) erhielt, häufige Gelegenheit gehabt,sich von der Liebe und Anhänglichkeit ihrer Krieger zu überzeugen.
1) Mitten in der Bewegung des Erbfolgekrieges 1743 wurde durch Adam Werner in Nürnberg auf die erhabene Herrscherin!!„wegen ihrer besonderen Huld und Gnadenbezeugung gegen den Militärstand“ eino Medaille geprägt, welche eine gewaff-nete Minerva, iin Schilde das kaiserliche Wappen und die Umschrift „Mater Castrorum “ führt. Die Beschreibung und Abbildungdieser Denkmünze findet sich in der höchst interessanten Handschrift: „Sammlung der unter der glorreichenNegierung der Kaiserinn Maria Theresia bisher (1773) geprägten Denkmünzen,“ welche das k. k. Münz«und Antiken-Cabinet bewahrt. Es ist dies ein Werk der im Jahre 1789 verstorbenen Frau Erzherzoginn Maria Anna, Tochterder grossen Kaiserinn.
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