Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
212
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Zweite Periode. Der bayerische Erbfolgekrieg (17781779).

Mit Maximilian Joseph von Bayern (gestorben am 30. December 1777) war der WittelsbacherMannstamm in der sogenannten Wilhelminischen Linie dieses Hauses erloschen und der KurfürstKarl Theodor von der Pfalz nahm als nächster Verwandter und natürlicher Haupterbe Besitz vondem bayerischen Kurstaate. Österreich forderte jedoch einen grossen Theil von Bayern unter demTitel von böhmischen, österreichischen und Reichslehen für sich, und die Gerechtigkeit dieserAnsprüche anerkennend, ging der kinderlose Karl Theodor schon am 3. Jänner 1778 eineConvention ein, welche Österreichs Forderungen gut hiess und zugleich ein künftiges Tausch-project in Aussicht stellte.

Diese Convention erweckte die Eifersucht des Königs Friedrich II. von Preussen, welcherjeder Vergrösserung Österreichs hartnäckig entgegenarbeitete. Auf seine Einflüsterung erklärteder muthmassliche Erbe der pfälzischen Kur, Herzog von Zweybrück, sich gegen jene Conventionund nahm die Vermittlung des Königs von Preussen ausdrücklich in Anspruch. Gleichzeitigtraten auch der Kurfürst von Sachsen und die Herzoge von Mecklenburg mit Ansprüchen an denbayerischen Nachlass hervor,- und suchten ebenfalls die preussische Vermittlung nach.

Die von Österreich gemachten'Vergleichs Vorschläge drangen nicht durch und Friedrich II.eröffnete den Krieg, indem -er selbst seine bei Silberberg aufgestellte Hauptmacht von 100,000Mann im Juli 177S über Glatz auf Nachod im Königgrätzer Kreise Böhmens führte, während derpreussische Prinz Heinrich mit den Truppen aus der Mark Brandenburg, Magdeburg etc. aufDresden marschirte. Mit letzteren vereinigte sich ein sächsisches Heer von 22,000 Mann unterAnführung des Grafen von Solms. Die kaiserliche Hauptmacht sammelte sich in den verschanztenLagern am rechten Ufer der Elbe, bei Königgrätz, Jaromirz, dann über Arnau und Hohenelbehinauf. Kaiser Joseph II. selbst führte den Oberbefehl; unter ihm commandirte der FeldmarschallHerzog Albrecht von Sachsen den rechten, Lacy den linken Flügel. Die Stellung war durchaus zweck-mässig und hinlänglich gesichert. Loudon stand mit einer anderen Armee im Lager bei Niemes,indess der General der Cavallerie Fürst Karl Liechtenstein mit einem Corps in Leitmeritz denPrinzen Heinrich in Sachsen beobachtete. Der Feldmarschall-Lieutenant Marquis Botta comman-dirte die kaiserlichen Truppen in Mähren und in Österreichisch-Schlesien; ihnen gegenüberstanden die preussischen Corps der Generale Werner und Stutterheim.

Anfangs hatte Friedrich II. den Plan gehabt, den Prinzen Heinrich durch das Erzgebirgenach Böhmen in den Saatzer Kreis eindringen zu lassen, jetzt aber befahl er demselben mitZürücklassung eines Corps bei Maxen unweit Dresden die übrigen Truppen über die Elbe zuführen und auf dem rechten Ufer über Rumburg und durch den Leitmeritzer Kreis in den Rückender österreichischen Stellung an der Elbe nach Turnau vorzudringen. Die Corps Werners undStutterheims sollten über Troppau und Teschen nach Mähren einfallen.