372
vereinfachen. Das Aushängschild des Pedantismus, „der Zopf,“ fiel. Eine derwichtigsten Neuerungen, die durch das kaiserliche Patent vom 4. Mai 1802sanctionirt wurde, war die Aufhebung des lebenslänglichen Kriegs-dienstes und die Einführung einer Capitulation auf eine bestimmteAnzahl von Jahren in sämmtlichen conscribirten Erblanden.
Eine bedeutende Krankheit im Jahre 1801 erregte Besorgnisse für das Lebendes Erzherzogs; indessen genas er wieder von dieser, so wie von einem Rückfalle imJahre 1802. Nun gab ihm der Kaiser zur Erleichterung der anstrengenden Geschäfteden Erzherzog Johann zur Seite. Im nämlichen Jahre liess der König von Schwe-den dem deutschen Reichstage die Errichtung eines Denkmals vorschlagen, welchesder Nachwelt die Dankbarkeit Deutschlands gegen seinen Retter, den ErzherzogKarl bezeugen sollte. Dieser Vorschlag wurde zwar mit allgemeinem Beifall auf-genommen, kam jedoch nicht zur Ausführung, da die Bescheidenheit des Erzherzogseine solche Auszeichnung ablehnte. Im Jahre 1804 legte Karl die ihm nach demTode des Erzherzogs Maximilian zugefallene Würde eines Hoch- und Deutsch-meisters zu Gunsten seines Bruders, des Erzherzogs Anton Victor, ab. ImJahre 1805 wurde die unmittelbare Leitung der eigentlichen Hofkriegsraths-Geschäfteauf den Vorschlag des Erzherzogs dem Feldzeugmeister Grafen Baillet-Latourals Ilofkriegsraths-Präsidenten übertragen, dem Erzherzog aber der Wirkungskreisals Kriegs- und Marineminister belassen.
Beim Ausbruche des Krieges von 1805 wurde der Erzherzog zum Oberbefehls-haber der 89,000 Mann starken Armee in Italien bestimmt. Er liess die Truppennoch im August an der Etsch versammeln, und traf am 20. September in Paduaein. Die ihm am rechten Etschufer gegenüberstehende französische, von Masse nabefehligte Armee betrug bei 50,000 Mann. Der Erzherzog konnte daher hoffen,die beabsichtigte Offensive mit entscheidendem Erfolge zu eröffnen. Allein nochvor Beginn der Feindseligkeiten nötkigte ihn ein Befehl, 20,000 Mann seiner bestenTruppen nach Deutschland zu senden, und bei dem dadurch eingetretenen Gleich-gewichte der feindlichen Kräfte die Offensive aufzugeben. Die französische Kriegs-erklärung erschien am 23. September. Der Erzherzog verlegte am 25. seinHauptquartier nach Lonigo. Der Kriegsschauplatz war ungefähr der nämlichewie im Jahre 1797. Um die Österreicher angreifen zu können, musste Massenaden Etsch-Übergang erzwingen. Dazu war Verona der geeignetste Punct. DerErzherzog hatte an den schwächsten Stellen Verschanzungen anlegen lassen, undschlug am 18. October einen Angriff bei Berca-Civetta zurück; indessen gelang esden Franzosen nach Veronetta vorzudringen und dort einen Brückenkopf zuerbauen. Noch vor diesem Tage hatten Freudenfeuer im feindlichen Lager ungün-stige Ereignisse in Deutschland vermuthen lassen. Der Erzherzog erhielt bald dieBestätigung dieser betrübenden Vorfälle. Mack war bereits bei Ulm eingeschlossen,Tirol durch Augereau bedroht. Der Erzherzog sendete beträchtlicheVerstär-