Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
370
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Russen, wohl aber an dem Willen Kor sali offs zweifelte, diesen Punct auch inder Folge zu vertheidigen, liess die Brücke abbrechen und begab sich dadurchfür einige Zeit der Offensive. Suworow war am 12. in Feldkirch cingetroffen.Der Erzherzog erwartete nun bald wieder gegen die Limmat Vordringen zu können,und suchte sich zu diesem Ende mit dem russischen Feldherrn ins Einverständnisszu setzen. Aber der bizarre und stolze Suworow wich jedem Verständnisse mitbeharrlichem Eigensinne aus, verweigerte auf unzarte Weise die vom ErzherzogKarl mit Zuvorkommenheit angebotene persönliche Zusammenkunft, und zogendlich gegen Ende October, ohne sich um die weitern Ereignisse zu kümmern,über den Lech nach Prag, und von dort in seine IPeimath.

Der Erzherzog war nun wieder seinen eigenen Kräften überlassen, mit welchener zwei feindliche starke Armeen (Massen a in der Schweiz; Ney, später L e c o u r b e,am Rhein) abzuwehren hatte. Er verlegte sein Hauptquartier nacliDonauescliingen.Die französische Rhein-Armee unter N ey hatte schon am 5. October den Rhein heiMainz und Oppenheim überschritten, die schwachen österreichischen Abtheilungenhinter den Neckar und die Enz zurückgedrückt und Philippsbuig eingeschlossen.Der Erzherzog liess diesen Platz durch den Generalen Hohenlohe unter Mit-wirkung des Herzogs von Württ emberg am 5. November entsetzten. Als am 16.die verstärkte feindliche Armee unter Lecourhe wieder gegen den Neckar unddie Enz vordrang und Philippsburg abermals blockirte, verstärkte Erzherzog Kar 1die Truppen an der Enz bis auf 15 Bataillone und 51 Schwadronen, die unterder Anführung des Generals Sztäray den letztgenannten Platz entsetzten und dieFeinde Anfangs December bis hinter den Neckar zurückwarfen. Sztäray liess sichdurch eine List des französischen Feldherrn zu einer Waffenruhe verleiten und erleich-terte dadurch seinem Gegner den Rückzug auf das linke Rheinufer. Karl seihstblieb während dieser Operationen unbeweglich in seiner Stellung, um Massenanicht zu einem Angriffe zu reizen. Der einbrechende Winter beendete den Feldzug.

Während der Dauer des thatenreichen Feldzuges vom Jahre 1799 hatte dieGesundheit des Erzherzogs bedeutende Erschütterungen erlitten. Sein Leiden (einnervöses) mag wohl eben so sehr durch körperliche Anstrengungen als durch unver-diente Kränkungen vermehrt worden sein. Er bat um seine Enthebung vom Com-mando, und erhielt sie. Feldzeugmeister Baron Kray trat am 17. März 1800 anseine Stelle. Der Erzherzog reiste am 15. März von der, den Verlust ihres geliebtenFührers tief betrauernden Armee nach Wien, und begab sich von dort nach Prag,wo er in stiller Zurückgezogenheit lebte, bis ihm der Kaiser die Vorbereitungenzur Vertheidigung Böhmens übertrug. Karl erliess am 25. October eine Pro-clamation und am 31. einen Aufruf an den vaterländischen Gemeingeist zur Aus-rüstung der böhmischen Legion. Beide wurden von dem Volke mit Begeisterungaufgenommen. In drei Monaten war die böhmische Legion, welche seinen Namenführte, auf 25,000 Mann angewachsen. Das Studenten-Bataillon führte eine Fahne,