Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
367
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Tage den General Nauendorf mit 21 Bataillonen und 30 Schwadronen beiStein über den Rhein gehen, und folgte ihm am 23. mit dem Reste der Armee.Die Verbindung mit Hotze wurde durch eine starke Abtheilung bei Wyl her-gestellt. Massena sollte mit 80,000 Mann die Linie von den Quellen des Rheinsbis zur Neckarmündung decken. Sein rechter Flügel war durch den Verlust desLuciensteiges bereits vom Rhein abgedrängt. Massena zog nun seine Kräfte beiZürich zusammen, wo er schon seit Wochen ein verschanztes Lager errichtet hatte.Das für die Franzosen günstige Gefecht bei Andelfingen (25. Mai) konnte die Ver-bindung des Erzherzogs mit Hotze nicht verhindern. Massena wurde am 27.über die Füss und Glatt bis an das Lager von Zürich zurückgedrängt. Der Erz-herzog griff diese Stellung am 4. Juni in fünf Colonnen an, die zwar auf allenPuncten siegten, aber Massenas Hauptstellung nicht überwältigen konnten. DerErzherzog wollte sich um jeden Preis in den Besitz von Zürich setzen, weil er nurdadurch die Gegend von Stockach, Vorarlberg und die Verbindung mit Italiendecken konnte. Er recognoscirte daher am 5. die durch Natur und Kunst äusserststarke feindliche Stellung, und bestimmte die Nacht vom 5. zum 6. zu einem mitungeladenen Gewehren auszuführenden Überfall. Indessen hatte Massena in dernämlichen Nacht das verschanzte Lager bereits geräumt, und sich in eine nochfestere Stellung am Ütliberge zurückgezogen. Die Besatzung Zürichs räumte nachkurzen Unterhandlungen am Mittag des 6. die Stadt, die sofort von den österrei-chischen Truppen besetzt wurde. Man fand daselbst 149 Geschütze. Bei einerRecognoscirung, welche der Erzherzog am 8. unternahm, drangen die österreichi-schen Truppen bis gegen den Ütliberg vor und eroberten Utikon, mussten sichaber Abends vor der feindlichen Übermacht wieder zurückziehen. Eben so wenigErfolg hatte der von Massena am 15. Juni gegen die österreichischen, am rechtenUfer der Limmat aufgestellten Vorposten ausgeführte Angriff. Von nun an trateine beinahe zweimonatliche Waffenruhe zwischen beiden Theilen ein. Jeder vonihnen erwartete Verstärkungen, um die Offensive gegen den gleich starken Gegnerergreifen zu können. Der Erzherzog selbst nennt diesen Stillstand in seiner Geschichtedes Feldzuges von 1799 (II. Thl. S.21) ein seltenes Beispiel in der neueren Kriegs-geschichte, und sagt:Man wird bei so naher Berührung wenig dergleichen Still-stände finden, seitdem die Operationen nach einem so grossen Massstabe der Ent-wicklung und mit so zahlreichen Streitmitteln geführt werden. Es ehrt beide Feld-herren, dass ihr Entschluss, sich auf der Defensive zu halten, eben so zweck-mässig und den Umständen angemessen war, als die Art, mit welcher er vollzogenwurde. Inzwischen war in dem politischen Verhältnisse der Verbündeten eineSpannung eingetreten, die, in den abweichenden Absichten der verschiedenenRegierungen gegründet, ihre verderblichen Wirkungen auf den Erfolg des Gesammt-strebens ausüben musste. Österreich und England betrachteten die raschen Fort-schritte der russischen Waffen in Italien mit Eifersucht. Der nahe liegende