Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
364
Einzelbild herunterladen
 

364

Erzherzog auf schaumbedecktem Pferde hei Tarvis an. Er hat die vier Meilen vonVillach bis Tarvis im vollen Jagen zurückgelegt. Seine Gegenwart, sein erhebendesBeispiel ermuthigt die Truppen; das Gefecht kommt auf eine kurze Zeit zumStehen endlich aber siegt die Übermacht dos Feindes; der Erzherzog ist einerder Letzten auf dem Kampfplatze, und entgeht der Gefangenschaft nur durch dieaufopfernde Tapferkeit des Oberst-Lieutenants Fedäkund seiner wenigen Husaren.Schon am Morgen dieses Tages hatte sich Feldmarschall-Lieutenant Bajaliclimit seinen Truppen an Masscna ergeben, und dadurch die Stellung des GeneralsKöblös an der Flitscher Klause blossgestellt, der nun, in Front und Rückenbedroht, gleichfalls die Bedingungen der ohne sein Wissen abgeschlossenen Capi-tulation annehmen musste. Der Erzherzog zog sich langsam zurück. Er bestanddie Gefechte bei Friesach und Unzmarkt. Ivlagenfurt, Laibach, Leoben wurden vondem Feinde besetzt. Der Erzherzog wich nach Steyer zurück und setzte sich dortmit den vom Rhein im Salzburgischen angelangten Verstärkungen in Verbindung.Die - französische Armee stand nur noch 36 Stunden vonWien. Allein gerade diesesunerwartet rasche Vordringen konnte für sie verderblich werden. Während nämlichB o n ap ar te unaufhaltsam gegen das Operations-Object vordrängte, stand die fran-zösische Rhein- und Sambre-Armee noch unbeweglich hinter dem Rhein. Joubert,der am 20. März die von Feldmarschall-Lieutenant Kerpen vertheidigte Stellunghei Salurn überwältigt und nach heftigen Gefechten Brixen besetzt hatte, war vonKerpen und Loudon nach Kärnthen, General Serviez nach Italien zurück-getrieben worden. Das venetianische Festland befand sich im Aufstande; Tirol,Österreich und Ungarn rüsteten sich mit aller Anstrengung zurLandesvertheidigung.Diese Umstände machen es begreiflich, warum Bonaparte seinen Siegeslaufwenige Schritte vom Ziele anhielt und Friedensanträge machte.

Nach Abschluss der Waffenruhe reiste der Erzherzog zur Rhein-Armee, diesich in ungünstiger Lage befand. Die französischen Heerführer Moreau undIloche hatten den Waffenstillstand am 13. April gekündigt. Sie gingen, Erstereram 20. bei Dicrheim, Letzterer am 18. bei Neuwied, über den Rhein. Hocliodrückte den österreichischen rechten Flügel (Feldmarschall-Lieutenant W er neck)nach Frankfurt, Moreau die Mitte (Feldzeugmeister Latour) an die Murgund Rench zurück. Die Nachricht des Waffenstillstandes beendete die Feind-seligkeiten. Der Erzherzog langte Ende April in dem Hauptquartiere zu Schwetzin-gen an. Erbenützte die Zeit der Waffenruhe zur taktischen Ausbildung der Truppen,und kehrte am 23. November nach Wien zurück.

Von dem Kaiser zum Gouverneur und General-Capitän des KönigreichesBöhmen ernannt, traf Erzherzog Karl am 23. December in Prag ein, wo er alsRetter Böhmens mit freudigem Jubel empfangen wurde. Welche hohe VerehrungBöhmen für den Erzherzog hegte, beweist die Gabe einer jährlichen und lebens-länglichen Rente von 40,000 fl., welche die Stände am 26. Februar 1798 für ihn