Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
203
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am 23. April 1726 geboren. Obschon er seinemYetter Franz Joseph in der fürst-lichen Würde im 26. Lebensjahre succedirte, so war doch seine Vorliebe für denMilitärstand so gross, dass er im Jahre 1754 die Stelle eines aggregirten Obersten beiAnton Colloredo-Infanterie annahm. In dieser Eigenschaft wohnte der Fürst derersten Schlacht des siebenjährigen Krieges vonLobositzbeiund hatte Gelegenheit sichder Art bemerkbar zu machen, dass ihm die Kaiserinn das Gcncral-Majors-Patentverlieh. In der Schlacht bei Kollin führte Fürst Kinsky als Brigadier das12. Infanterie - Regiment Botta an, welches auf der Anhöhe ausser dem DorfeKrzeczow den unaufhörlichen Angriffen der Feinde so sehr ausgesetzt war, dasses ihm endlich ganz an der Munition mangelte. Da der Fürst einsah, Avie gefähr-lich uns das Verlassen dieser vortheilhaften Höhe werden müsse, so forderteer in kurzen aber eindringenden Worten das Regiment auf, auch ohne Munitionund blos mittelst seiner aufgepflanzten Bajonete die Stellung nach äusserstenKräften zu vertlieidigen. Angefeuert durch diese heldenmüthige Anrede, behauptetedas brave Regiment mit unerschütterlicher Standhaftigkeit gegen zwei sehr lebhafteAngriffe die Anhöhe so lange, bis man ihm neue Munition verschaffte, worauf essogleich von Heuern zu feuern begann. Bald darnach wurde der Fürst so schwer ver-Avundet, dass er sich, um verbunden zu werden, wegbringen lassen musste. Dadiese kaltblütige Standhaftigkeit des Regiments Botta (derzeit E. II.Wilhelm),über welche der Feldmarschall Daun der Kaiserinn schrieb:Man sollte demRegimente den Orden in seine Fahnen sticken, grosscntheils der Auf-munterung und dem Eifer des Fürsten zuzuschreiben war, so wurde ihm in der1. Promotion einstimmig das Ritterkreuz zuerkannt.

Bei dem Angriffe der Preussen auf dem Moysberge hatte Fürst Kinsky dieAttaque einer Colonne geleitet, und trug durch seine Thätigkeit und Klugheit Vieleszu dem guten Erfolge bei, wurde aber auch bei dieser Gelegenheit von einerKanonenkugel gestreift und vom Pferde geworfen. In der Schlacht bei Ilochkirchführte Fürst Kinsky nicht nur seine eigene Brigade ins Treffen, sondern holteauch, da die Preussen auf dieser Seite einen sehr grossenWiderstand leisteten, eineandere ledig gewordene Brigade, mit welcher er die eigene auf das Vortheilhaftesteunterstützte. Hier verlor Kinsky binnen einer halben Stunde zwei Pferde unterdemLoibe, so sehr hatte er sich dem feindlichen Feuer ausgesetzt. In dem Feldzugevon 1760 hatte Kinsky bereits zum Feldmarschall-Lieutenant befördert dieOberdirection der Artillerie, welche unter seiner Anleitung insbesondere in derSchlacht von Torgau unter den Preussen einen ausserordentlichen Schaden an-richtete. So viele Verdienste bewogen den Kaiser Joseph, unseren tapferen Fürstenzum Commandeur, 1766 zum Feldzeugmeister, und nach dem Tode desFürsten Wenzel von Liechtenstein im Jahre 1772 zum General-Directorder Artillerie zu ernennen. Diese wichtige Stelle verwaltete Kinsky bis zumAusbruch des bayerischen Erbfolgekrieges, wo er auf selbe resignirte und zur