3
absicht und mit der Eigenschaft des neuen Ordens so vollkommen überein, dass Ich Mir zumVoraus die genaueste Befolgung Meiner vorerwähnten Verordnung ganz sicher versprechen kann.“Am Schlüsse des Cabinetssclireibens finden sich folgende eigenhändige Zeilen derKaiserinn: „Ihr habt eure Ordensproben vor den Augen der ganzen Armee schonabgelegt, Ihr seit also als der erste Grosskreuz aufgenommen.“
Gleichzeitig mit dem Feldmarschall Grafen Daun wurde auch der Herzog von Lothringenzum Grosskreuz ernannt.
Dem Ordenscapitel waren vorläufig und bis zur Veröffentlichung der Statuten, mit derenAbfassung der Staatskanzler Fürst von Kaunitz als erster Ordenskanzler beauftragt worden,zwei Hauptgrundsätze bei Untersuchung und Prüfung der Tapferkeits-Zeugnisse zur Richtschnurvorgeschrieben worden, und zwar:
1. dass eine jede kühn ausgeführte Tliat, welche ohne Gefahr der Verantwortung hätte unter-lassen werden können, Anspruch auf das Ritterkreuz begründe; wogegen
2. auf das Grosskreuz nur angetragen werden solle, falls bei der mit Tapferkeit ausgeführtenThat auch ausserordentlich kluges Benehmen an den Tag gelegt worden sei.
Nach diesen "Weisungen wurde bis zum Erscheinen der Statuten, im December 1758, beiden ersten Promotionen vorgegangen, und bestand der Orden zu jener Zeit schon aus dem Gross-meister Kaiser Franz I., 9 Gross- und 47 Kleinkreuzen oder Rittern. Die eben erwähntenStatuten vom Jahre 1758, so wie die im December 1810 gefolgten Nachtrags - Statuten sindim zweiten Abschnitte dieses Werkes wörtlich aufgenommen.
Um das Andenken an die Stiftung des Ordens bleibend zu erhalten, hatte der Kammer-Medailleur Matthias Donner über höheren Auftrag eine Medaille angefertigt, welche in Gold undSilber 2 x / 2 Loth im Gewichte ausgegeben wurde. Die Vorderseite dieser Medaille zeigt dieBrustbilder des Kaisers Franz I. und der Kaiserinn Maria Theresia mit der gebräuchlichenUmschrift, während die Kehrseile einen mit kriegerischen Rüstungen umgebenen Genius vorstellt,welcher in der rechten Hand das Ordensband mit dem daran hängenden Kreuze, in der linkenaber einen Palmenzweig hält. Die Umschrift lautet: „Praemio virtuti bellica constituto“ und imAbschnitte ist das Datum der Stiftung zu lesen: MDCCLVII. D. XVIII. IVN.
Ursprünglich gab es nur zwei Classen von Ordensmitgliedern: Grosskreuze und Ritter.Im Jahre 1765 jedoch ehrte Kaiser Joseph II. den Orden dadurch, dass er den Grosskreuzen zudem bisherigen Ordenszeichen einen auf der linken Brust zu tragenden Stern beigab und nachdem Beispiele anderer Orden die Zwischenclasse der Commandeure einführte, worüber einNäheres in der zehnten Promotion vom 15. October 1765 nachzulesen ist.
Die erste mit grosser Feierlichkeit vollzogene Promotion hatte, wie wir später sehen werden,am 7 . März 1758 am Hoflager zu Wien Statt. Hierbei wurde das in den Statuten vorgeschrie-bene Ceremoniel beobachtet. Im Verlaufe dieser Geschichte werden wir aber auch sehen, dassdie feierliche Ertheilung des Ordens nicht nur am Hoflager und bei der Armee im Haupt-quartier, sondern zeitweilig auch öffentlich in der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien vorsich ging, wobei die Solennitäten nach den Umständen angeordnet wurden. Wir verweisendiesfalls auf die bezüglichen Promotionen, welchen nähere Beschreibungen über die Feier selbstbeigefügt sind.
Obgleich von dem ursprünglichen Ceremoniel in der Folge theilweise abgegangen wurde,so sind die Statuten selbst unverändert geblieben, und dieser Umstand ist es, der den MariaTheresien-Orden, dem inneren Wesen nach, zum ersten militärischen Orden erhebt. Wenn alsohei der Verleihung eines Ordens das Verdienst massgebend genannt werden kann, so ist dies
1 *