Druckschrift 
Dogmatische Abhandlung über das Gebet
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

Vollkommenheit, wonach Er immer das Beste will,auch ohne daß wir es erst von Ihm verlangen, nichtvereinbar zu sein: denn könnte Ihn unsere Bittewozu bewegen, so wäre dies entweder besser, als daswas Er vorher gewollt hatte, oder schlechter. Imersten Falle hätte Er vorher nicht das Beste gewollt;im letzten wollte Er es nach unserer Bitte nicht.

Diese Einwendung ist bereits oben beseitigt,da, wo wir nachwiesen, daß das Bittgebet durchausgeeignet sei, uns zum Empfange der göttlichen Gna-den zu disponircn, worauf wir daher hier zurück-weisen.

2) Der Seiner ganzen Wesenheit nach unver-änderliche, und von Allem außer Ihm unab-hängige Gott, wird ein sehr veränderlichesund gewissermaßen von uns abhängiges Wesen,wenn Er unsere Bitten erhört. Denn spccielle Gc-betserhörungcn sind ohne beständige Eingriffe in dieWeltordnung nicht denkbar. Jede Erhörung machteine Abänderung in dem Gange der Weltmaschinenothwcndig; Gott muß da jedesmal durch ein Wun-der eine neue Einrichtung dieser Maschine treffen,und so für die einmal gefassten Rathschlüsse, die dochewig und unveränderlich bestehen sollen, wieder undwieder neue wählen. Es kann also z. B. auf dieBitte einer Gemeinde unmöglich ein Regenguß fallenoder ausbleiben, welcher nicht schon vorhergesehen,vorherbestimmt, daher unabänderlich ist.