Wie nun die Kirche in ihrer (der lateinischen) Sprachekeine ausschließliche Benennung für die Anbetung iinstrengen Sinne des Wortes hat, so hat sie auchkeine ausschließliche Action oder Gebehrde dafür; son-dern sie läßt es uns unbenommen, stehend, gehend,sitzend, knieend oder liegend anzubcten. Und bei denHeiden bedeutet das ndoisno eine religiöse Cere-monie, nach welcher der vor der Statue einer Gott-heit niederliegende Betende die rechte Hand an sei-nen Mund (s <1 08) legte, und dann der Gottheitzubewegcnd — ihr gleichsam einen Handkuß zuwarf.
§. 6.
Ich glaube mich jetzt über das Gebet überhauptfür meinen theologisch-dogmatischen Zweck genugsamverbreitet zu haben, und gehe über zur christlichenLehre vom Bittgebete, als welches unter den dreiaufgefundenen Gebetsarten die wichtigste und schwie-rigste ist.
Bitte ist das Jemanden wie auch immer aus-gedrückte Verlangen einer Erweisung von ihm ausfreier Gefälligkeit. Die geäußerte Anerkennung derverlangten Erweisung als einer Handlung, die völ-lig in der Willkühr dessen steht, den man bittet, istwesentliches Merkmal der Bitte. Gott um etwasbitten, heißt hienach: Ihm das Verlangen einer Er-weisung von Ihm aus freier Gefälligkeit, oder, daGott die Liebe ist, aus reiner Güte vortragen.