Druckschrift 
Dogmatische Abhandlung über das Gebet
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

Doch nicht bloß um Gottes willen sollen wir be-ten, sondern auch um unser selbst willen. DerGrund ist die Wirkung, welche das christliche Gebetauf uns hat, und wonach dasselbe ein kräftiges undunentbehrliches Tugendmittel für uns ist. Mag im-merhin der Gebetscheue die theoretische Regel, die unsJesus in Seiner Lehre, und die practische Regel oderdas Beispiel, was Er uns in Seinem Leben gegeben,richtig erkennen und im Gedächtnisse treu bewahren:es wird dies keine andere Wirkung auf ihn haben,als die, christlich denken und reden zu können; aberauf seine Gefühle kräftig einfließen, und seinen Wil-len ergreifen und sein Handeln bestimmen, werdenChristi Lehre und Leben nicht. Der Freund deschristlichen Gebetes dagegen macht eben durch dasGebet den Gedanken an Gott und an die Wahr-heiten der heiligen Religion in seiner Seele ganz ein-heimisch; in der lebendigsten Anschauung der unsvom Heilande gegebenen theoretischen und praktischenRichtschnur für unser Geistesleben misst er hienachseine Schritte, und in den gefahrvollen Augenblicken,wo das Fleisch gegen den Geist sich zu empören dro-het, ist ihm das Gebet ein schützender Engel, derihn stark macht zum Streite, und ihm siegen hilftfür Gottes heiliges Gesetz. Wie der gegenwärtigeFürst, in dem das Volk den Vater des Vaterlandesliebt und ehrt, in dem furchtbaren entscheidendenAugenblicke tobender Schlacht sein Heer zum tapfernKampfe und zum herrlichen Siege begeistert, so bc-