3
heimgesucht, und finden in, ihre Individualität an-sprechenden, Gebetsformeln einen erquickenden Thaufür die lechzende Seele; was indeß von solchen nichtgewöhnlichen Menschen gilt, fordert in weit ausge-dehntcrm Sinne die Mehrzahl. Den meisten Men-schen, die Erfahrung liefert den Beweis, muß vor-gebetet werden, und zwar in dem Sinne den mei-sten, daß dies als Regel, das Gegcntheil als Aus-nahme angenommen werden muß. Ucbersinnliche Ge-genstände gehörig betrachten und daraus ein Gebetentwickeln, können Wenige, selbst von Denen, dieman nicht gerade zu den Ungebildeten und Ungeüb-ten in Sachen des Heiles rechnen darf; und derMensch fühlt sich selbst da, wo er sinnliche Gegen-stände zum Inhalt seines Gebetes machen will, nichtselten unvermögend, sich im Gemüthe vor Gott dar-über auszusprechen. In der Regel muß also denje-nigen, die ein Gebetbuch brauchen können, hiedurchnachgeholfcn werden — was sollen aber die, welche nichteinmal lesen können, und doch auch des Gebetesnicht beraubt sein dürfen? Es bleibt offenbar nichtsanderes übrig, als solche mit auswendig gelerntenFormeln sich behelfen zu lassen. Die christliche Kirche,die den Menschen nimmt wie er ist, richtet, wie derHeiland als zu Schwachen und Verirrten gesendetsich ansehend, nach den nun vorgclegten Erfahrungenihre Fürsorge ein für alle Kinder, die sie in ihremSchooße birgt, und sorgt dadurch für Menschen vongeringerer Bildung, ohne die von höherer Bildung
1 *