Ueberdieß sahen sich auch die Ritter für solche Leutean, die für die Beleidigungen, welche andern widerfahren,Genugthuung suchen müßten. Sie reizten daher mit Wor-ten und Ercmpcln andre, daß sie die Beleidigung nichtauf sich sizen lassen sollten. Sie meinten, die Rechte ihrerProvinz und insonderheit ihrer Freunde seyen zur Verwah-rung anvertraut. Der Ritter mußte, wenn er seiner Pflichtein Genüge leisten wollte, Reputation und Ehre suchen,um cS seinen Vorfahren zuvorzuthun, kssecht und Gerech-tigkeit vermittelst der Waffen zu handhaben.
Die Ritter machten sich, wie wir oben bemerkt haben.Regeln der Ehre. Ehrwürdige Geseze, welche man heiligund unvcrlezt halten mußte. Ein Mann von Ehre mußtesein Wort halten; er durste nicht lügen, nicht bekriegen,keinen Schimpf, nicht den geringsten Schimpf leiden, ermußte die Unschuld beschüzcn, die Heiden bekriegen, Rie-sen ermorden, Schlangen bezwingen, Prinzessinnen retten,und von den Kreuzzügcn an, bis auf den berühmten von(Juixoto, wurden diese Regeln sorgfältig in Acht genom-men. Amadis, Llelia, Alexander, Cleopatra, finddessen Zeugniß genug. Diese und andre Schriften verdar-ben unsre Jugend, und der Titel eines doimeto kommeverlor sich zum Theil wieder bey der Uebermacht des La-sters. Man vermischte in Europa noch immer das Rechtder Vertheidigung mit den zügellosen Begierden der Rachec- und der Bosheit. Ein Mann von Ehre wurde der Tyranndes menschlichen Geschlechts. Er kannte kein Gesez, er warder Richter seiner Streitigkeiten. Beschimpfte man seinePerson, seine Verwandten, seine Freunde, seine Bedienten,seinen Hund und Kazc, oder was es auch war, genug,wenn er einem etwa die Ehre angethan hatte, unter demSchirm seiner Flügel zu rächen, sogleich mußte der Schimpf