Von den Conlra-Indicationen der Glaub er- und Bittersalzwasser.
Schwächlichen, unreifen, blutarmen Menschen darf man BiLter- und Glauber-salzwasser nicht verordnen; doch möchten selbst einige dieser Fälle, besonders beijugendlichen, in der Entwickelung gehemmten Subjectcn, sich eher zur Anwendungauflösender, abführender Salzwasser, als adstringirender Eisenwasser eignen.
Wie oben schon angeführt, führt der allzu anhaltende Gebrauch solcher auflösen-den, abführenden Wasser Reizung, Fieber, allgemeine Schwäche, Entkräftung undseorbutischen Zustand herbei; wefswegen man besser thut, von Zeit zu Zeit mit demGebrauch derselben auszusetzen.
Nach Holfmann sind diese Mineralquellen auch contra-indicirt bei Gicht - undSteinbeschwerden; ein sehr zu beschränkender Ausspruch.
Von den Wirkungen der kochsalzhaltigen Quellen.
Das Kochsalz gehört zu den Salzen, deren Wirkung nicht entschieden ein ein-ziges Organ betrifft; eine Kochsalzlösung wirkt reizend auf den Theil, mit dem siein Berührung kommt; ist sie sehr verdünnt, so wird sie in die Circulation aufge-nommen und pflanzt ihre Wirkung auf die entfernteren Organe fort, bis die Ab-sonderungs-Apparate den fremden Stoff wieder aus dem Bereich des Organismusgeschabt haben.
Der innere Gebrauch der kochsalzhaltigen Mineralquellen hat also zur nächstenEolge eine Reizung der Magenschleimhaut und ihrer Fortsätze nach oben und unten,vermehrten Motus peristalticus , und vermehrte Absonderung aus ihren Drüsen; diedann erfolgende Aufsaugung in die Venen und Lymphgefäfse bringt durch die Reizungdes Blutgefäfs-Systcms beschleunigten Blutlauf und erhöhte Wärme hervor, bis dieseReizung in den erfolgenden Absonderungen wieder erlischt.
Die Hauptwirkung der Kochsalzwasser ist auf die Schleimhäute des Magens, derRespiralions- und Erinwcrkzeuge und deren Annexe, dann auf die Drüsen und aufdas Lymph-System gerichtet. Die Kochsalzwasser wirken mehr gelinde lösend, als ab-führend ; dagegen werden sie in den Kreislauf aufgenommen und verändern dieMischung der Säfte theils chemisch durch ihren Zutritt, theils dynamisch, indem siedie Absonderungs-Organe reizen und umstimmen, wodurch endlich eine Einwirkung
O O ' o
auf die festen Theile hervorgebracht wird.
Auch die Kochsalzwasser bringen durch allzu langen Gebrauch eine scorbutischcDyskrasie hervor.
Von den Indicationen der kochsalzhaltigen Mineralquellen.
Die kochsalzhaltigen Mineralwasser schliefsen sich in ihren Wirkungen denGlauber- und Bittersalzwassern an, und es finden daher dieselben Indicationen Statt.Sie passen :
1. bei Krankheiten der Schleimhäute des Magens und Darmcanals, seyen es nunVerschleimungen oder perverse Absonderungen und daher rührende Verdauungs-beschwerden ;
2 . bei Krankheiten der Schleimhäute der Respirations-Organe, wo sie die wich-tigsten Dienste leisten, indem sie theils deriviren, theils die Absonderung verbessern,alteriren; daher sind sie bei eingewurzelten Katarrhen des Kopfes, Schlundes, Kehl-kopfes und der Luftröhre von der heilsamsten Wirkung;
3. bei Krankheiten der Schleimhäute der Urinwerkzeuge, der Blase, Urethra, der