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Die Doppelsterne
Entstehung
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nung nach eigener Lust und Liebe auszumalen. Sie sehen wohlselbst, daß sic dazu die Farben nicht zu lebhaft wählen und denPinsel nicht kühn genug führen können.

- Wenn wir die unzählbaren Wohlthaten, die wir unserer eige-nen Sonne verdanken, nicht ihrem ganzen Werthe nach fühlen,so kömmt dies; wohl daher, weil wir schon daran gewöhnt, weil wirbereits verwöhnt sind. Aber wie ganz anders würde uns die Weltum uns her erscheinen, wenn diese Sonne selbst eine andere wäre.

Ohne erst zu jenen anders gefärbten Sonnen überzugehen:wenn diese unsere Sonne, wie man früher allgemein glaubte, nurweiße Strahlen hätte, wenn nicht, wie wir seit Newtonwissen, jeder dieser weißen Strahlen aus unzähligen anderen ge-färbten zusammengesetzt wäre, welch eine ganz andereNatur wür-den wir um uns sehen.

Die ganze Erde würde uns völlig ohne Farben erschei-nen, oder vielmehr, alle Gegenstände um uns würden in einerdüsteren Bleyfarbe zu trauern scheinen und unsere Häuser, unsereThiere und Bäume und derHimmel selbst würde uns keine größereAbwechslung der Färbung darbiethen, als unsere Kupferstiche, mitwelchen wir diese Gegenstände darzustellen suchen. Der Regenbo-gen würde in einen schmalen, weißen Lichtkreis zusammenschmel-zen ; die Fixsterne würden matt vom grauen Himmel blicken undder rosige Vorhang der Morgen- und Abendröthe würde der düste-ren Decke unserer trüben Wintertage gleichen; das jugendlicheGrün der Wiesen und Gärten in; Frühling würde in das welkendeBlaßgelb des Herbstes übergehen; der Diamant würde aufhören,in dem Kranze der Schönheit und in dem Diademe der Fürstenzu glänzen und selbst die feinen Züge deS menschlichen Angesichtes,sie würden zwar noch die Verräther des innersten Herzens, aber nichtmehr der Gegenstand unserer zärtlichsten Zuneigung seyn, undweder das Rosenlicht der Liebe würde mehr auf der jugendlichenWange seine Blüthen treiben, noch selbst jene krankhafte Röthedes verfallenen Antlitzes die nahende Auflösung und die oft will-kommene Befreyung von langen Schmerzen verkünden.

Und wenn wir ein so wunderbares Farbenspiel der Naturschon dieser unserer einzigen Sonne verdanken, welch ein Schau-