Druckschrift 
Die Doppelsterne
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

114

mehrerenJahrhunderten beobachtet hätten, so würden wir vielleitchdie verschiedenen Grade ihrer allmähligen Verbrennung an demWechsel ihrer Farben erkannt haben, wo dann die blaue die letzte,dem Ausloschen derselben unmittelbar vorhergehende Farbe seynsoll, wie wir dieß besonders bey den Gasartcn bemerken, die im-mer, wenn ihre Verbrennung geschwächt wird oder ihrem Endenahe ist, in einer bläulichen Farbe auflodern, ein Gleichniß, dashier vielleicht sehr gut passen mag, da die Sterne, so wie unsereSonne, nicht in ihrer eigentlichen Masse, sondern wahrscheinlichnur in der gasartigen Atmosphäre, die sie umgibt, zu brennenscheinen. Allein er bemerkte selbst, daß die sogenannten neuenSterne, die so recht eigentlich ausgebrannte Sterne zu seynscheinen, mit dieser Hypothese nicht übereinstimmen. Derjenige,welcher im November d. I. 1572 in dem Sternbilds der Cassiopeiaan einem Orte, wo früher kein Stern gesehen wurde, gleichsamplötzlich erschien, war zur Zeit seiner Entdeckung durch Tycho sogroß und hell, daß er selbst Jupiter und Venus an Glanz über-traf und sogar am Tage sichtbar blieb. Damahls erschien er in ei-nem blendend weißen Lichte. Nach etwa einem halben Jahre schiensein Glanz abzunchmen und seine Farbe gelblich zu werden. Nocheinige Monate später wurde er röthlich, wie Mars oder Alde-baran, und im Anfänge des Jahres 1574 nahm er eine blasse,matte Bleyfarbe an, die er bis zu seiner Verschwindung im März1574 beybehielt. Während der ganzen Zeit seinerErscheinung hatteer seinen Ort am Himmel nicht im geringsten geändert und auchkeine Parallaxe gezeigt, zum Beweise, daß er, so wie wahr-scheinlich alle andern Firsterne, in einer unermeßlichen Weite vonuns abstand. Nach dieser Erzählung Tycho's und mehrerer sei-ner Zeitgenossen ist man beynahe gezwungen, zu schließen, daßdieses Gestirn ein ursprünglich dunkler Körper war und durch irgendeilten ihm verderblichen Zufall in Brand gerieth, wodurch er sichauflöste, und auf derselben Stelle für immer erlosch, die er kurzzuvor mit seinem Lichte erfüllt hatte. Also eine auflodernde Welt," die uns durch jene Erscheinungen den furchtbaren Tag ihres Unter-^ gangs verkündigte, des Untergangs einer Sonne, in dem zugleichunzählige Schaaren empfindender Wesen das Ende ihres Daseyns