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Zweiter Band (1833) F bis L
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Französische Kunst der neuesten Zeit

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bewegend im rein menschlichen Elemente. So, hoffte man, würden die todten see-lenlosen Gestalten abgethan sein, an denen man sich nach allen akademischen Vor-schriften allzu lange ahgequält habe. Auf die Gefahr hin, an Schönheit der FormenEinbuße zu leiden und rechts und links angebliche Verstöße zu begehen, die häufignur die Pedanterie als solche bemerken werde, könne und müsse man den Tauschwagen. Es waren dieselben Kunstansichten, die als Romanticismus sich in denredenden Künsten so großen Anhang verschafft hatten, die auch in den zeichnendennun sich Geltung zu gewinnen suchten, und im Vertrauen auf den Genius, den siedurch diese Bannsprüche glaubten sich unterworfen zu haben, bekannten eineMenge, meistens junger, leider aber häufig im Handwerke noch unsicherer Künstlersich mit zuversichtlicher Entschiedenheit zu diesen Lehren. Ohne von den akademi-schen Studien Notiz zu nehmen, suchten sie aus sich selbst zu schaffen, mit eignenAugen sehend und jedem gewählten Gegenstande ihre unbefangenste Individuali-tät zutheilend. Aber unklar in ihren Vorstellungen, waren sie häufig sehr unsicherin Dem, was sie beabsichtigten. Durch den Aufputz des Absichtlichen und Seltsa-men suchten sie ihre Arbeiten pikant zu machen, wie z. B. Hennequin in vielen sei-ner Arbeiten that, oder Mouchy in seinem Tod des heiligen Pacomius und Bou-langer in seinem Tode Heinrichs II. Meistens war es besonders die Zeichnung dermenschlichen Gestalt, welche den Anhängern der sogenannten alten Schule Gele-genheit zu scharfem Tadel gab, und eine Klage der Modelle gegen die Romantiker,die in den französischen Tageblättern erschien, däuchte den Kunstfreunden, welcheso viele verzeichnete Knie, Ellbogen, Hände und Füße sahen, nicht spaßhaft, sondernbitterer Ernst. Verfehlte Zeichnung und glänzende Färbung schien nämlich dascharakteristische Merkmal romantischer Bilder zu sein, und soweit ging der Glaubean diese Regel, daß Werke, wie Vinchon's neugriechische Scenen, oder Callet'sflüchtige Pargioten oder Decaisne's Scene aus der Bartholomäusnacht, weil siebesser gezeichnet und gemalt waren, von beiden ästhetischen Parteien in Anspruchgenommen wurden. Im Wesentlichen traf man dadurch mit der neuesten eng-lischen Malerschule zusammen, die einen nicht abzuleugnenden Einfluß auf diefranzösische ausübt. Mit ihr theilen die Künstler diesseit des Canals jene Vor-liebe für Genrebilder, welche die Briten auch dann überrascht, wenn sie ge-schichtliche geben wollen. Blendende Färbung, die fast niemals wahr ist, Haschennach Effect in der Anordnung wirken in den Werken der Engländer auf die Mengeund werden auch von den Franzosen nicht verschmäht, die dem Auslande gegen-über Horace Vernct, den Liebling des Königs der Franzosen und aller Kunst-freunde Frankreichs, glauben als Vertreter ihrer Kunstweise nennen zu kön-nen. Aber mit Unrecht, denn nur durch Räuberscenen, ohne die ein reichliches Drit-theil der jetzigen britischen Künstler nicht würde bestehen können, stellt sich HoraceVernet, der geistreiche Schöpfer so vieler trefflichen Werke, als deren letzte die Schlachtvon Jcmappes, Judith und Holofernes, die Procession des Papstes Pius VIII.etwa zu nennen wären, mit jenen phantasiereichen Künstlern auf eine Stufe, in je-der Art von Technik ihnen weit überlegen. Durch sein Beispiel hat er nur einegewisse Zuchtlosigkeit bei vielen Künstlern beliebt gemacht, der sich gar zu gern we-niger Berufene hingeben. Doch ist die treue Auffassung des raschesten Lebens, dievon feiner Schule ausgegangen ist und schon mehre seiner Zeitgenossen, wie denseit Jahren leider feiernden Thomas (Ant. I. B., geb. 1791) auszeichnete, einVorzug, der viele andere Mängel entschuldigt und selbst dann noch den WerkenWerth gibt, wenn ihre Ausführung nicht gleiches Verdienst hat. Große Anerken-nung erwarben sich durch dieses Verdienst Aubois (geb. 1795), dessen Einnahmeder Treppe des Louvre, Delaroche (geb. 1797), dessen Richelieu mit Cinqmars undde Thou auf dem Rhone und dessen Mazarin's Tod zu den ausgezeichnetsten Bil-dern der Ausstellung im Älusee Woldert (Mai 1832) gehörten. Hapteler, Lang-

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